Wissenschaft

Artikel mit dem Schlagwort Wissenschaft.

Heise berichtet von winzigen kabellosen Ohrhörern, die in China mittlerweile zum Schummeln in Prüfungen verwendet werden. Das Interesse, Betrügereien zu verhindern, ist natürlich berechtigt und ganz abgesehen davon halte ich das Geschäft von Firmen, die ihre Diente am anderen Ende der Leitung anbieten, für verwerflich.

Aber was tun? Leibesvisitationen der Prüflinge? Dann kommt bestimmt bald jemand auf die Idee, sich den Schallgeber hinter dem Ohr einpflanzen zu lassen. Störsender? Wo sind die Grenzen eines solchen Wettrüstens?

Technische Hilfsmittel, die die persönliche Leistungsfähigkeit verbessern, könnten in nicht allzu ferner Zukunft Wirklichkeit werden. Eine per Gedanke abrufbare Wikipedia auf einem kleinen Chip – warum eigentlich nicht? Der springende Punkt mit Prüfungen ist ja, dass die externe Hilfe nur kurzfristig zur Verfügung steht. Wäre es kein Schummeln mehr, wenn der Einflüsterer permanent zur Verfügung stünde?

Modellflug

Ich bin gerade auf dieses kurze Video gestoßen, das wirklich beindruckende Modellflugkunststücke zeigt. Das Flugzeug tanzt durch die Halle und führt Bewegungen aus, die recht unglaublich sind.

Als Physiker kann man es ja nicht bleiben lassen, sich dazu ein paar Gedanken zu machen und das erste was einem auffällt ist, dass das Ding völlig übermotorisiert ist. Besonders deutlich wird das gegen Ende, wenn der Pilot es senkrecht in der Luft stehen lässt und dann noch genug Reservern hat, es blitzschnell nach oben zu beschleunigen. Es ist also im Prinzip ein Motor mit ein paar superleichten Flügeln dran, die nur dazu gut sind, die Richtung zu ändern, in die der Motor zieht, und die nicht notwendig sind, um das Flugzeug in der Luft zu halten.

Man konnte es nicht genau sehen, aber ich nehme an, dass die Steuerklappen groß im Verhältnis zur Flügelfläche waren, denn sonst wären die abrupten Richtungswechsel nicht möglich, schon gar nicht bei so kleinen Geschwindigkeiten, wie es da gezeigt wurde. An einigen Stellen wurden fast aus dem Stand Schwenks augeführt, so dass ich mich wunderte, ob der Luftstrom über die Flügel dazu überhaupt ausreicht. Es könnte ja sein, dass da zusätzliche Technik drinsteckt wie eine kippbare Motorachse oder selektiv in der Neigung verstellbare Rotorblätter, aber ich glaube doch eher nicht. Wahrschenlich reichen einfach schon geringe Geschwindigkeiten, um den leichten Körper mit Hilfe der üblichen Steuerelemente zu drehen.

Die SZ hat ein langes Interview mit Wolf Singer, in dem er das Missverständnis aufklärt, dass eine reduktionistische und materielle Sichtweise des Gehirns (ohne “Geist”) zu einer mechanisch starren Welt führen würde.

[Unsere] Gehirne funktionieren nach deterministischen Naturgesetzen. Aber auch deterministische Systeme sind offen und kreativ, können Neues in die Welt bringen. Das kann Materie. Man muss der Materie ein bisschen mehr zutrauen.

(via)

Das mit dem Konflikt zwischen Religion und Wissenschaft ist doch eigentlich ganz einfach: Sobald es irgendeine Überprüfbarkeit der Aussagen gibt, verlieren Religionen und anderer Aberglaube jede Debatte gegen jemanden, der nachschaut, nachfragt oder nachmisst. Jahrhundertelang haben Menschen nach einem Gottesbeweis gesucht und das Ergebnis ist nichtig, wenn man den Maßstab der Überprüfbarkeit anlegt.

Leute, die sich lange damit beschäftigt haben, wissen das, und hüten sich, überprüfbare Aussagen zu machen. Solange sie sich nur zu Dingen äußern, die man halt entweder glaubt oder nicht, sind sie unangreifbar. Sogar die katholische Kirche sieht das ein und erkennt vielerlei wissenschaftliche Erkentnisse an. Das ist ihr aber nicht wirklich zu Gute zu halten, denn sie will natürlich ihre Stellung und ihren Einfluss wahren weiß ganz genau, dass sie verliert, wenn sie sich auf überprüfbares Terrain begibt.

Einen Haken hat die Sache aber leider: Menschen lassen sich nicht notwendigerweise von guten Argumenten überzeugen. Dass sich also rationale Argumente mit der Zeit schon durchsetzen, ist nicht zwingend, wird aber leider von vielen, die Aberglauben ablehnen, resignierend angenommen. Wenn dem aber so wäre, gäbe es schon heute keine Religionen mehr, die versuchen, ihre irrationalen Lehren gegen aufklärerisches Denken zu verteidigen. Es gibt sie aber, vielleicht deswegen.

Schon während der ganzen PISA-Aufregung, schauten viele aus meiner alten Heimat hinüber in meine neue, nämlich Schweden, wo ja alles so viel besser ist. Jetzt streiken die Ärzte in Deutschland, und wiederum ist Schweden das gelobte Land.

Es wird wohl doch einmal Zeit, mehr über Schweden zu schreiben.

Telepolis schreibt als Untertitel zu Ungeliebte Evolutionstheorie:

In den USA sagen mehr als die Hälfte der Menschen, dass Gott die Menschen so geschaffen hat, wie sie jetzt sind, in Deutschland glauben dies bislang nur 12 Prozent.

Bislang nur? Ist es jetzt schon ein unausweichlicher Trend, dass mehr und mehr Leute Evolution ablehnen? Zumindest wird es mit diesem Satz so dargestellt. Bläh!

Gerade fiel mir dieses Zitat von Einstein wieder in die Hände. Mögen sich das bitte alle, die das Universitätsstudium “straffen” wollen, zu Herzen nehmen.

Es ist nicht genug, den Menschen ein Spezialfach zu lehren. Dadurch wird er zwar zu einer Art benutzbarer Maschine, aber nicht zu einer vollwertigen Persönlichkeit. Es kommt darauf an, daß er ein lebendiges Gefühl dafür bekommt, was zu erstreben wert ist. Er muß einen lebendigen Sinn dafür bekommen, was schön und was moralisch gut ist. Sonst gleicht er mit seiner spezialisierten Fachkenntnis mehr einem wohlabgerichteten Hund als einem harmonisch entwickelten Geschöpf. Er muß die Motive der Menschen, deren Illusionen, deren Leiden verstehen lernen, um eine richtige Einstellung zu den einzelnen Mitmenschen und zur Gemeinschaft zu erwerben. Diese wertvollen Dinge werden der jungen Generation durch den persönlichen Kontakt mit den Lehrenden, nicht – oder wenigstens nicht in der Hauptsache – durch Textbücher vermittelt. Dies ist es, was Kultur in erster Linie ausmacht und erhält. Diese habe ich im Auge, wenn ich die “humanities” als wichtig empfehle, nicht einfach trockenes Fachwissen auf geschichtlichem und philosophischem Gebiet. Überbetonung des kompetetiven Systems und frühzeitiges Spezialisieren unter dem Gesichtspunkt der unmittelbaren Nützlichkeit töten den Geist, von dem alles kulturelle Leben und damit schließlich auch die Blüte der Spezialwissenschaften abhängig ist. Zum Wesen einer wertvollen Erziehung gehört es ferner, daß das selbständige Denken im jungen Menschen entwickelt wird, eine Entwicklung, die weitgehend durch Überbürdung mit Stoff gefährdet wird (Punktsystem). Überbürdung führt notwendig zu Oberflächlichkeit und Kulturlosigkeit. Das Lehren soll so sein, daß das Dargebotene als wertvolles Geschenk und nicht als saure Pflicht empfunden wird.

Aus einer alten Email, die folgende Quellenangabe enthielt: Auszug aus einem 1952 in der New York Times erschienenen Interview mit Albert Einstein. Entnommen aus: “Mein Weltbild”, Ullstein Verlag 1970, Herausgeber: Carl Seelig.

Schon vor längerem fiel mir der Artikel Unsere Milchstraße, eine Galaxie mit noch vielen Geheimnissen auf Telepolis (TP) als schlechtes Beispiel für populärwissenschaftliche Darstellungen auf. Ich möchte hier kurz erklären, warum.

Man hat also den Abstand zum nächsten Spiralarm in unserer Galaxie, der Milchstraße, gemessen und TP schreibt:

Das Ergebnis beträgt 1,95 ± 0,04 Kiloparsec (1 Parsec sind 3,26 Lichtjahre, also die Entfernung, die das Licht in 3,26 Jahren zurücklegen kann, dies entspricht etwa 31 Billionen Kilometer), alternativ können wir das Ergebnis auch so angeben: 5,86×1016 Kilometer.

Wie verwirrend für den Laien! Drei verschiedene Einheiten für die gleiche Strecke, wobei es dem Leser sogar überlassen wird, selbst umzurechnen. Ausserdem ist es unnötig, in einem solchen Text die Fehlergrenzen anzugeben, und die Schreibweise in Zehnerpotenzen ist (leider) auch nicht jedem geläufig. Schaut man in den Originalartikel von Science, so kann man erahnen, dass einfach eine Angabe dort übersetzt wurde und nachträglich die Klammer mit der Erklärung des Lichtjahres eingefügt wurde.

Die dazu verwendete Methode wird als “trigonometrische Parallaxe” bezeichnet. Dieses Ergebnis löst eine lang anhaltende Diskrepanz zwischen zwei unterschiedlichen Techniken zur Bestimmung von Abmessungen und Abständen. Während sich die Erde auf ihrer “Himmelsbahn” um die Sonne von der einen Seite des Orbits zu anderen Seite bewegt, verschieben sich nahe gelegene Sterne vor dem entfernten Hintergrund, ein Effekt, der Parallaxe genannt wird.

Der erste Satz hier vergibt nur einen Namen, ohne ihn zu erklären. Der zweite bezieht sich schon auf die Interpretation des Ergebnisses, die später kommt, und steht damit zwischen dem Begriff Parallaxe und dessen Erklärung im letzten Satz hier. Und die Erklärung selbst ist wiederum unzufriedenstellend und verwendet unnötige Verkomplizierungen wie “Himmelsbahn” oder “Orbit”.

Nachem also halbwegs erklärt wurde, wie man diesen Abstand gemessen hat, folgt:

Mit der Feststellung des genauen Abstandes können die Forscher nun aufzeigen, dass sich der Sternencluster W3OH in einer Art und Weise bewegt, der über die einfache Rotation der Milchstraße zu ihrem Zentrum hinausgeht und mit der “spiral density-wave theory” (= spiralenförmigen Dichtewellentheorie) übereinstimmt.

Ich weiss, es ist kleinlich, aber sprachliche Fehler tragen zum Unverständnis bei. Wie wäre es mit “Art und Weise, die über die einfache Rotation der Milchstraße um ihr Zentrum hinausgeht”? Bei der “spiralenförmigen Dichtewellentheorie” musste ich dann zum ersten Mal wirklich auflachen. Es ist nicht nur falsch übersetzt (die Dichtewelle ist spiralförmig, nicht die Theorie), sondern wird auch noch ohne Erläuterung in den Raum geworfen. Ein Satz darüber, dass die Spiralarme durch eine Dichtewelle in der Galaxienscheibe entstehen, hätte gereicht.

Es geht weiter mit einem erneuten Versuch, die Parallaxe zu erklären – unglaublich schlechte Struktur des Artikels. Zum Abschluss wird dann noch die Genauigkeit der Messung mit “0.01 mas” angegeben, ohne die Einheit zu definieren oder gar zu sagen, dass das etwa 3 Milliardstel Grad (Winkel, nicht Temperatur) entspricht. Es wird auch nicht erwähnt, dass dieser Winkel sich direkt in die am Anfang angegebende Entferung umrechnen lässt.

Wie man vielleicht gemerkt hat, fand ich den Artikel schrecklich und lieblos zusammengestückelt. Ich weiss, dass es sehr schwer ist, Forschungsergebnisse allgemeinverständlich wiederzugeben, aber in diesem Fall ist es wirklich gründlich danebengegangen und ich wage sogar zu behaupten, dass solche Artikel mehr schaden als nützen.

Um dem Einwand “Mach es doch besser!” zuvorzukommen, hier meine Version zum Thema: Mit Hilfe von über die ganze Erde verteilten Radioteleskopen hat man die Positionen von einer Gruppe von Sternen sehr genau bestimmt und über einen längeren Zeitraum beobachtet. Da sich die Erde um die Sonne bewegt, sieht man die Sterne nach einem halben Jahr aus einem anderen Winkel und sie verändern daher scheinbar ihre Position. Aus dieser Änderung kann man den Abstand zu diesen Sternen bestimmen. Durch die verbesserte Genauigkeit der Messung ist es möglich, die Dichtewellentheorie zu testen, welche besagt, dass die Spiralarme in Galaxien aus Dichteveränderungen entstehen, die sich wellenförmig durch die Galaxienscheibe fortpflanzen.

Da befasst sich einmal jemand mit einem kleinen Artikel, den man geschrieben hat, und prompt wird man als ‘’billig’’ bezeichnet. :-)

Mag ja sogar sein, schließlich war der Anspruch keineswegs, das Thema von allen Seiten zu beleuchten. Allerdings wird da behauptet, ich

[erkläre] eingangs ersteinmal jede, die die Bibel für die Worte einer höheren Macht hält, zur Fundamentalistin, die sich rationalen Argumenten verschliesst [...], um dann mit ein paar Allgemeinplätzen über die Verwendungsweise des Wortes “Theorie” aufzuwarten, die zumindest diese Herren und Damen von der kreationistischen Front zurecht eher wenig beindrucken dürfte.

Das kann ich natürlich so nicht stehen lassen und deshalb in aller Kürze hier ein paar Einwände:

  • Keineswegs erkläre ich Leute zu Fundamentalisten. Da werden beim freien Zitieren zwei Sätze miteinander verwurstelt. Aber richtig ist und dabei bleibe ich, dass sich rationalen Argumenten verschließt, wer ein Buch für gottgegeben hält. Nicht notwendigerweise in allen Bereichen, aber eben mindestens, wenn es um die Herkunft des Buches geht.

  • Zu den Allgemeinplätzen über die Verwendungsweise des Wortes “Theorie”: Sprache ist wichtig, auch für die Wissenschaft, denn sie ist unsere einzige Möglichkeit, Wissen weiterzugeben. Gerade deshalb muss man achtgeben, Begriffe zu klären, insbesondere, wenn Menschen mit unterschiedlichem Hintergrundswissen kommunizieren. Außerdem ging es mir nur darum, das eine Argument, das auf der Ausnutzung eines sprachlichen Unterschieds beruht und das im erwähnten Vorfall von der Diskussion um Evolution auf die Astronomie überschwappte, als wirklichen Allgemeinplatz zu entlarven.

  • Dass es weitere Argumente gibt, die oben genannte Herren vielleicht mehr beindrucken, kann schon sein, spielt aber keine Rolle, denn nichts lag mir ferner, als Kreationisten beindrucken zu wollen. Das ist doch der zentrale Punkt: Es tötet jede Diskussion, wenn jemand sagt “Es steht so in der Bibel, also ist es wahr”. Wenn jemand davon überzeugt ist, machen rationale Argumente eben keinen Eindruck mehr.

Zum Abschluss noch ein paar Worte zum eigentlichen Text von Julio Lambing. Es wird zum einen das Verhältnis von Wissenschaft und Gesellschaft angeschnitten und ich möchte insofern widersprechen, dass die Menschen (zumindest die, die in Demokratien leben) sehr wohl Einfluss darauf haben, was erforscht wird. Denn es sind ihre Steuergelder, die zum Großteil die Grundlagenforschung finanzieren, und über die üblichen Mittel der Politik und Geldverteilung wird eben auch die Wissenschaft gesteuert.

Wissenschaft als Religion ist ein weiteres Thema und ich stimme völlig überein damit, dass Wissenschaft für viele den Status einer Religion einnimmt und Menschen dementsprechende Verhaltensweisen zeigen. Eine “Desakralisierung” der Wissenschaft zu fordern ist richtig, aber umsomehr muss man dabei darauf achten, eine vehemente Verteidigung der wissenschaftlichen Methode nicht als religiöse Agitation zu werten. Denn selbst wenn man Wissenschaft als Religion betrachtet, weist sie doch einen essentiellen Unterscheid zu allen anderen auf: Wenn man allen idelogischen und dogmatischen Überbau wegwirft, bleibt bei ihr als einziger etwas übrig. Sie funktioniert nämlich.

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