USA

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American Airlines Flug 84, Chicago—Frankfurt, Boeing 767-300.

Blogs sind ja auch zum Sich-Beschweren da.

Ich bin am Samstag Vormittag mit einem American Airlines Flug aus Chicago in Frankfurt angekommen. Von amerikanischen Fluggesellschaften ist man ja einiges gewöhnt. 5 Dollar fuer ein winziges Fläschchen schlechten Weins, oft unfreundliches Personal, schlechtes Essen – es wird halt überall gespart wo es nur geht. Also hauptsächlich an Passagieren in Economy (Neudeutsch für Touristenklasse). Zahlvieh eben.

Was ich heute Nacht erlebt habe erreicht allerdings eine neue Klasse der Passagierschikane.

Erstens:
In der Touristenklaase war eine Toilette defekt—und zwar schon in Chicago am Boden. Sie war versiegelt und auf ihr klebte ein “out of order” Schild. Folge: Anstatt 4 Toiletten mussten sich die ca. 200 Passagiere der Touristenklasse 3 Toiletten teilen. In der Businessklasse saßen 30 Passagiere und teilten sich 2 Waschräume. Durchsage (auf Deutsch und Englisch): Es ist verboten, während des Fluges die gebuchte Kabinenklasse zu verlassen. Man darf also nicht mal vor zur Business aufs Klo. Aha. Fröhliches in der Schlange stehen war angesagt (was eigentlich auch verboten ist…). 4 Toiletten für 200 Passagiere sind schon eine Frechheit. Dass American Airlines dann (aus welchen Gründen auch immer—vermutlich Zeit/Geld) auf die Reparatur einer Toilette verzichtet ist unverschämt. Und beängstigend ist die Frage: Wenn sie schon die Toiletten nicht reparieren, sparen sie dann evtl. auch an Wartungsarbeiten und an Ersatzteilen? Gefährden sie mit ihrem Sparen nicht nur den Komfort des Großteils ihrer Passagiere sondern eventuell auch deren Sicherheit?

Zweitens:
Essen. Groß angekündigt als “International Flagship Dinner” war das Essen das absolut schlechteste was mir jemals in einem Flugzeug vorgesetzt wurde. Klar, jeder meckert über Flugzeugkost. Aber gegen das American Airlines “International Flagship Dinner” erscheint mir das Essen bei anderen Gesellschaften wie das eines Feinschmeckerlokals. Es gab Huhn. Natürlich einzunehmen mittels billigstem Plastikbesteck. Welche Art von Fleisch es tatsächlich war, konnte ich geschmacklich nicht feststellen. Das Fleisch (?) war weiß, wabbelig, aber gleichzeitg voller Knorpel und vollkommen geschmacksfrei. Daran änderte auch die braune nichtidentifizierbare Sauce nichts. Beilagen waren eine winzige Menge Kartoffelbrei (fast bissfest) und grüne geschmacksneutrale Bohnen. Gesamtgewicht des Essens ca. 150 Gramm (geschätzt). Der Appetit war mir sowieso nach den ersten Bissen vergangen. Auf dem Tablett war ansonsten noch ein eingeschweisstes Brötchen (wie alt das wohl war?), trockene Kekse, die ich erst gar nicht versucht habe und ein nicht weiter erwähnenswerter Salat von normal-mäßiger Qualität. Und das nennen die “International Flagship Dinner”. Ein Euphemismus oder gar Ironie? Angesichts der Tatsache, dass American Airlines soweit ich weiß nur noch auf Langstreckenflügen überhaupt Essen anbietet, halten sie diesen Fraß tatsächlich für etwas besonderes.

Ich habe für den Flug 100.000 meiner Prämienmeilen bezahlt. Ein normales Hin- und Rückflug-Ticket in meiner Buchungsklasse kostet im Augenblick etwa 1500,- Dollar. Im Winter ist fliegen offenbar günstiger und man zahlt um die 800,- Dollar. Der Preis ist weitgehend unabhängig von der Fluggesellschaft (ein Schelm sei, wer da Preisabsprachen vermuten würde). Ich bin der Ansicht, für mein Geld mehr Service und intakte Waschräume erwarten zu können. Von korrekt gewarteten und sicheren Flugzeugen gar nicht zu reden (hier will ich American Airlines nichts unterstellen). Dass das geht sieht man an Gesellschaften wie Air France/KLM und Lufthansa, die hochprofitabel operieren und hervorragenden Service (im Vergleich zu American Airlines) auf ihren Lang- und Mittelstreckenflügen anbieten. Lufthansa hat gar Metallbesteck und meiner Ansicht nach wirklich gutes Essen.

Ich werde in Zukunft American Airlines so gut ich kann meiden. Den Rückflug werde ich sicher überleben. Mein nächster Transatlantikflug ist dann mit Northwest Airlines. Mit denen hatte ich bisher eigentlich gute Erfahrungen.

Update: Hier eine Story (leider nur auf Englisch) über einen Continental Airlines Flug von Amsterdam nach New York, bei dem nicht nur eine, sondern fünf von sechs Toiletten kaputt waren…

Über Radio Paradise habe ich vor längerem schon einmal geschrieben. Es ist ein kleiner Familienbetrieb um den Radio-DJ Bill, der dem kommerziellen Radio entsagt hat und sein eigenes Ding macht. Weder im Programm noch auf der Webseite gibt es Werbung. RP finanziert sich allein aus Spenden der Hörer.

Radio Paradise ist Radio wie man es haben will: lange, zusammenhängende Musikblöcke, die zu mehr werden als die Summe der Teile. Genreübergreifende Musikauswahl, die auch den abgebrühtesten Musikkenner überraschen würde und mich schon an viele neue und alte Künstler herangeführt hat. In großen Momenten sass ich halb lachend, halb weinend vor Rührung und mit Gänsehaut vor dem Rechner und lauschte in meine Kopfhörer, unfähig, etwas anderes zu tun als zu hören. Ich höre seit fast zwei Jahren mehrmals die Woche Radio Paradise und werde seiner nicht überdrüssig. Deshalb zücke ich liebend gern meine Kreditkarte und überweise regelmäßig Geld nach Paradise, Kalifornien.

Und jetzt droht das Aus. Obwohl Radio Paradise seit jeher Royalties für die gespielte Musik abgeführt haben, steht eine Veränderung der Regeln an, die RP und anderen unabhängigen Internetradios aus den USA die Überlebenschancen entziehen wird. Bill fasst die Situation aus seiner Sicht selbst zusammen.

Mir fällt kein anderes Angebot im Internet ein, dessen Verschwinden mich so persönlich treffen und ernsthaft traurig machen würde wie das von Radio Paradise. Hört rein, solange es noch geht.