Umwelt

Artikel mit dem Schlagwort Umwelt.

Jeder weiß, dass Radiowerbung meistens einfach nur nervig ist. E.ON-edis, neben RWE, Vattenfall und EnBW einer der ganz grossen im Deutschen Energiemarkt, hat einen Werbeslogan, der nicht nur nervig, sondern zumindest massiv irreführend und ziemlich sicher falsch ist.

Heute Morgen beim Zähneputzen quäckt es aus dem Radio: “E.ON-edis – Energie für immer!”
Ein bisschen Recherche fördert das hier zu Tage: E.ON erklärt Kindern, dass Steckdosen nie
der Strom ausgehen wird.
Liebe E.ON Werbeabteilung, in welcher Welt lebt Ihr? Was soll dieser Aufruf zur Unbesorgheit? Es muss doch den Herren in der Vorstandsetage klar sein, dass man jegliche Art von bewusstem Umgang mit Energie (und die Erziehung dahin…) untergräbt, wenn man sagt: Macht Euch keine Sorgen, Energie wird immer da sein. Und das stimmt nicht einmal: jeder Ressource ist beschränkt, sogar die Sonneneinstrahlung ist endlich und man kann weder unendlich viele Windräder, noch Staudämme bauen. Kohle, Uran, Erdgas und Erdöl sind sowieso in maximal 100-200 Jahren aufgebraucht. Ob Kernfusion je technisch anwendbar werden wird, ist völlig unklar. Also, wo soll die unendliche Menge an Energie herkommen?

EON korrigiert

Doch der allgemeine Trend zu unter ökologischen Gesichtspunkten angebauten/hergestellten Nahrungsmitteln wurde von der konservativen deutschen Landwirtschaft (allen voran vom CDU-CSU-lastigen Bauernverband) gehörig verschlafen. Das führt soweit, dass es mittlerweile echte Lieferengpässe bei bestimmten Produkten, etwa bei Milch, gibt, die zu verstärkten Importen aus dem Ausland führen, was der im Öko-Konzept enthaltene Idee des “buy local” widerspricht (siehe weiterführenden Telepolis Artikel). Viele gesundheits- und umweltbewusste Menschen haben schon seit Jahren im Bioladen um die Ecke eingekauft, doch mit der Aufnahme von Bioproduktion in die Sortimente bei den Grossdiscountern Aldi, Lidl und Plus ist der Sprung zum Mainstream geschafft. Jeder will und muss jetzt Bio anbieten (update:
Siehe auch den taz Artikel vom 17. Februar).

Aber ist überall Bio drin, wo Bio draufsteht?

Nun, das sollen Biosiegel garantieren. Da gibt es zum einen die EU Öko-Verordnung die ökologische Mindeststandards beim Landwirdschaft, Viehzucht und Verarbeitung festlegt und auf deren Basis das (gebräuchlichste) staatlich deutsche Biosiegel vergeben wird (siehe auch: Wikipedia zu Bio-Siegeln.

Es gibt ein relativ strenges System von Kontrollinstanzen und auch Multi-Nationals wie REWE, Lidl oder Alid und Global Player wie Kraft Foods können es sich nicht leisten, Bio draufzuschreiben wo kein Bio drin ist. Aber Achtung! Ein Global Player wäre nicht ein Global Player, hätte er da nicht eine Hintertür. Und die heisst: Schreib Bio drauf wo halbes Bio drin ist, die Verbraucher werden’s schon nicht merken.

Beispiel Kaffee (Bio/Fair Trade): In Zusammenarbeit mit der eigentlich (?) erstmal unverdächtig anmutenden Rainforest Alliance bekleben die Großen im Geschäft ihre Kaffeepäckchen mit Bio-Aufklebern und Hinweisen auf fairen Handel. Tatsächlich sind die Vorgaben in Punkto Fair Trade und Bio der Rainforest Alliance viel lascher als etwa die von Transfair/GEPA. Gegenüber der taz räumte Rainforest Alliance Direktorin Tensie Whelan doch tatsächlich ein:


Wir sind kein Biosiegel. Aber wir setzen uns für den Umweltschutz ein und garantieren soziale Standards wie das Recht auf gewerkschaftliche Organisation, Gesundheitsvorsorge und Löhne, von denen die Bauern leben können.

Im Unterschied zu Fair-Trade-Organisationen bekommen unsere Bauern allerdings keine festen Preise für ihre Produkte. Unser Ziel ist Nachhaltigkeit für den Mainstream. Mit unseren Kriterien können viele Unternehmen zertifizierte Produkte vertreiben.

Wie ich letztens hier in Tucson im Supermarkt feststellen durfte wird das aber so nicht auf den Produkten erklärt. Stattdessen prangt der grüne Frosch der Rainforest Alliance auf der Kaffeepackung. Ein Schelm, wer da böses denkt… Auch interessant: Die Unterstützerliste der Rainforest Alliance wie publiziert im WWW:


AT&T, Kraft Foods, Procter & Gamble, Pfizer, Inc., Anheuser Busch, Citigroup, Gibson Musical Instruments, Chiquita Brands International, Herbal Essences, JP Morgan Chase, Ben & Jerry’s, Home Depot, Green Mountain Coffee Roasters

Also vielleicht doch lieber einen Bogen um den Kaffee und die Bananen mit dem grünen Frosch im Supermarkt?

Auch im sonst eher sonnigen Südarizona schneit es mal:

Snow in Tucson Snow in Tucson

(mehr Bilder (nicht von mir) sind etwa hier zu finden.)

Es kommt üblicherweise nur alle paar Jahre mal vor, dass es in Tucson schneit. In den letzten Jahren war das Wetter in Tucson auch wechselhafter als “früher”. Laut der Aussagen von langjährigen Anwohnern, sind die Wetterschwankungen stärker geworden, die Extreme ausgeprägter. Der Klimawandel in der Wüste?

Jedenfalls (man mag es als grüner Europäer kaum glauben) werden sich auch die US Amerikaner langsam bewusst, dass spritschluckende SUVs und ein pro Kopf doppelt so hoher Energieumsatz als in Europa kaum das Gelbe vom Ei sein können. Hier in Tucson sieht man neben den üblichen christlichen “God loves you” oder kommerziell genutzten Billboards mittlerweile auch Großflächenplakate von stopglobalwarming.org, etwa wie dieses hier:

Stop Global Warming

Ausserdem kommen die Tucsonians auch langsam aber sicher zu der Erkenntnis, dass sich die ganze Sonne doch eigentlich wunderbar zur Energiegewinnung nutzen lassen müsste (oh Wunder…). Die Zuwachsrate an privaten Solarenergieanlagen und Niederenergiehäusern (das bedeutet in Arizona, dass die Häuser vernünftig wärme/kälteisoliert sind und Solarenergie nutzen) ist enorm. Man kann zwar noch keinen Ökostrom vom örtlichen Energieanbeiter Tucson Electric Power (ja, es gibt nur einen!) beziehen, aber wenn man monatlich einen bestimmten Betrag zusätzlich bezahlt, so verspricht Tucson Electric Power, dieses Geld in Solarprojekte zu investieren. Immerhin.