Sprache

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Europa

Wer aus dem Stegreif weiss, wofür

  • Europarat,
  • Rat der Europäischen Union und
  • Europäischer Rat

    stehen, welcher der Begriffe zu welchem englischen

  • European Council,
  • Council of Europe und
  • Council of the European Union

    passt und ob zwei davon vielleicht sogar dasselbe bezeichnen, hatte mir bis eben, da ich es nachgeschaut habe, etwas voraus. Ich finde die EU an sich ja eine tolle Sache, aber etwas kreativer hätte man bei der Namensgebung schon sein können.

Dass ich Worte sammeln würde, wäre übertrieben zu sagen. Dazu bin ich zu vergesslich. Aber ich freue mich, wenn mich ein Redner oder Schreiber mit einem Wort derart überrascht, dass ich unweigerlich denke: “Mann, ist das lange her, dass ich das gehört habe!

Heute morgen beim Hören einer herunterladbaren Radiosendung (neudeutsch: Podcast) eines öffentlich-rechtlichen Senders hat jemand

Sanka

gesagt. Toll, nicht?

Communities im Internet und Benutzerbeteiligung an Webseiten sind in. Mehr und mehr Aufgaben können auf die Benutzer ausgelagert werden. Ein, wie ich finde, besonders freches Beispiel kam mir gerade in Form des Deutschen Sprachrates unter.

Deren Projekt Wörterwanderung befasst sich mit dem durchaus interessanten Thema, wie deutsche Wörter in andere Sprachen aufgenommen werden und gegebenenfalls dabei ihre Bedeutung ändern. Es soll ein Buch dazu veröffentlicht werden und jeder kann beitragen, indem er solche Wörter vorschlägt und Texte dazu verfasst.

“Tolle Sache!”, dachte ich zuerst und erwartete, dass das Ergebnis dann auch frei zugänglich ist, zum Beispiel unter einer Creative Commons Lizenz. Doch in den Teilnahmebedingungen wird man eines besseren belehrt:

Sämtliche per Post oder E-Mail eingesandten Texte, Schriftstücke und Materialien gehen in das Eigentum des Veranstalters über. Zudem räumt der Teilnehmer dem Veranstalter unentgeltlich das räumlich, zeitlich und inhaltlich unbeschränkte ausschließliche Recht ein, die eingesandten Wörter und Texte für die „Ausgewanderten Wörter“ und die dazugehörige Beschreibung ganz oder teilweise zu vervielfältigen und zu verbreiten.

Die wichtigen Wörter hierbei sind unentgeltlich und ausschließlich. Es gibt zwar etwas zu gewinnen, aber ansonsten bekommen freiwillige Schreiber außer einer Namensnenung nichts. Man tritt auch alle Veröffentlichungsrechte ab, darf den eigenen Text also nicht einmal selbst weiterverbreiten. Wenn man dann noch liest, dass diese Aktion teilweise von mit Steuergeldern finanzierten Organisationen unterstützt wird, fragt man sich, ob so etwas wirklich OK ist.

Zusammengefasst: Bürger zahlen via Steuern schon einen Teil des Projekts, sollen den Inhalt des Buches selbst schreiben und es dann bitte auch kaufen. Schlau gedacht das alles, aber bei allem Interesse an dem Thema, hoffe ich, dass das ein Flop wird.

Bill Hicks

Dass ich je einmal eine sinnvolle Information aus der Titanic erhalten würde, hätte ich nicht gedacht. Doch dieser Artikel über den amerikanischen Komiker Bill Hicks hat mich auf diesen aufmerksam gemacht, denn ich kannte Hicks bisher nicht, auch wenn mir sein Gesicht auf den Bildern des Artikels sehr bekannt vorkam.

Auf der Such nach Material von Hicks hätte ich fast vergessen, bei eMusic nachzuschauen, wie ich es bei Musik üblicherweise zuallererst tue. Und in der Tat gibt es dort Sachen von Bill Hicks zu kaufen. Wie immer billig, legal und als MP3 ohne DRM-Mist (siehe auch meinen älteren Text dazu).

Zu dem was ich bisher von Bill Hicks gehört habe: politisch unkorrekt, bissig, roh, verdammt gut!

Die Begriffe mögen dabei sein, sich zu verändern, aber die Staaten rund um Israel bezeichnet man mit “Naher Osten” und es ist dementsprechend der Nahostkonflikt. Der Nahe Osten heißt auf englisch aber “Middle East” und deswegen liest man immer öfter über den Mittleren anstatt den Nahen Osten, wenn es um oben genannten Konflikt geht. Der Begriff “Mittlerer Osten” bezeichnet aber Indien und seine Anrainerstaaten und somit sind Missverständnisse vorprogrammiert, wenn die falsche Rückübersetzung aus dem Englischen verwendet wird.

(Quelle:Wikipedia)

Da befasst sich einmal jemand mit einem kleinen Artikel, den man geschrieben hat, und prompt wird man als ‘’billig’’ bezeichnet. :-)

Mag ja sogar sein, schließlich war der Anspruch keineswegs, das Thema von allen Seiten zu beleuchten. Allerdings wird da behauptet, ich

[erkläre] eingangs ersteinmal jede, die die Bibel für die Worte einer höheren Macht hält, zur Fundamentalistin, die sich rationalen Argumenten verschliesst [...], um dann mit ein paar Allgemeinplätzen über die Verwendungsweise des Wortes “Theorie” aufzuwarten, die zumindest diese Herren und Damen von der kreationistischen Front zurecht eher wenig beindrucken dürfte.

Das kann ich natürlich so nicht stehen lassen und deshalb in aller Kürze hier ein paar Einwände:

  • Keineswegs erkläre ich Leute zu Fundamentalisten. Da werden beim freien Zitieren zwei Sätze miteinander verwurstelt. Aber richtig ist und dabei bleibe ich, dass sich rationalen Argumenten verschließt, wer ein Buch für gottgegeben hält. Nicht notwendigerweise in allen Bereichen, aber eben mindestens, wenn es um die Herkunft des Buches geht.

  • Zu den Allgemeinplätzen über die Verwendungsweise des Wortes “Theorie”: Sprache ist wichtig, auch für die Wissenschaft, denn sie ist unsere einzige Möglichkeit, Wissen weiterzugeben. Gerade deshalb muss man achtgeben, Begriffe zu klären, insbesondere, wenn Menschen mit unterschiedlichem Hintergrundswissen kommunizieren. Außerdem ging es mir nur darum, das eine Argument, das auf der Ausnutzung eines sprachlichen Unterschieds beruht und das im erwähnten Vorfall von der Diskussion um Evolution auf die Astronomie überschwappte, als wirklichen Allgemeinplatz zu entlarven.

  • Dass es weitere Argumente gibt, die oben genannte Herren vielleicht mehr beindrucken, kann schon sein, spielt aber keine Rolle, denn nichts lag mir ferner, als Kreationisten beindrucken zu wollen. Das ist doch der zentrale Punkt: Es tötet jede Diskussion, wenn jemand sagt “Es steht so in der Bibel, also ist es wahr”. Wenn jemand davon überzeugt ist, machen rationale Argumente eben keinen Eindruck mehr.

Zum Abschluss noch ein paar Worte zum eigentlichen Text von Julio Lambing. Es wird zum einen das Verhältnis von Wissenschaft und Gesellschaft angeschnitten und ich möchte insofern widersprechen, dass die Menschen (zumindest die, die in Demokratien leben) sehr wohl Einfluss darauf haben, was erforscht wird. Denn es sind ihre Steuergelder, die zum Großteil die Grundlagenforschung finanzieren, und über die üblichen Mittel der Politik und Geldverteilung wird eben auch die Wissenschaft gesteuert.

Wissenschaft als Religion ist ein weiteres Thema und ich stimme völlig überein damit, dass Wissenschaft für viele den Status einer Religion einnimmt und Menschen dementsprechende Verhaltensweisen zeigen. Eine “Desakralisierung” der Wissenschaft zu fordern ist richtig, aber umsomehr muss man dabei darauf achten, eine vehemente Verteidigung der wissenschaftlichen Methode nicht als religiöse Agitation zu werten. Denn selbst wenn man Wissenschaft als Religion betrachtet, weist sie doch einen essentiellen Unterscheid zu allen anderen auf: Wenn man allen idelogischen und dogmatischen Überbau wegwirft, bleibt bei ihr als einziger etwas übrig. Sie funktioniert nämlich.

Falsche Richtung

Soeben auf tagesschau.de gesehen:

Die Kältewelle in Russland hält an. Bei Temperaturen um mindestens minus 22 Grad erfroren wieder fünf Menschen.

Bin ich der einzige, der denkt, dass das höchstens anstatt mindestens heißen muss und sich auch noch wirklich daran stört?

Der Engländer und diesjährige Literaturnobelpreisträger Harold Pinter griff in seiner Rede vom Mittwoch (auch auf deutsch) das „weitverzweigte Lügengespinst“ das die Aussenpolitik der USA nach dem zweiten Weltkrieg umgibt. Er geht auf Sprache und den Wahrheitsbegriff in Literatur und Politik ein und stellt diese in Gegensatz zueinander. Er nennt Nicaragua und den Irak als Beispiele für eine systematische Politik der „full spectrum dominance“ und bietet sich gegen Ende als Redeschreiber für G. W. Bush an:

„Gott ist gut. Gott ist groß. Gott ist gut. Mein Gott ist gut. Bin Ladens Gott ist böse. Er ist ein böser Gott. Saddams Gott war böse, wenn er einen gehabt hätte. Er war ein Barbar. Wir sind keine Barbaren. Wir hacken Menschen nicht den Kopf ab. Wir glauben an die Freiheit. So wie Gott. Ich bin kein Barbar. Ich bin der demokratisch gewählte Anführer einer freiheitsliebenden Demokratie. Wir sind eine barmherzige Gesellschaft. Wir gewähren einen barmherzigen Tod auf dem elektrischen Stuhl und durch barmherzige Todesspritzen. Wir sind eine große Nation. Ich bin kein Diktator. Er ist einer. Ich bin kein Barbar. Er ist einer. Und er auch. Die alle da. Ich besitze moralische Autorität. Seht ihr diese Faust? Das ist meine moralische Autorität. Und vergesst das bloß nicht.“

Auch wenn ich normalerweise etwas skeptisch gegenüber Amerika-Bashern bin, fand ich diese Rede ist sehr lesens- und sehenswert. Sie ist auch als Videoaufzeichnung erhältlich und die 45 Minuten allemal wert.

Telepolis berichtet über die International Weblog-Awards und den Sieger, eine spanischsprachige fiktive Fortsetzungsgeschichte. Auf deren Seite findet sich auch eine kurze Selbstdarstellung auf rührend gebrochenem Deutsch:

Mehr Respekt, ich bin deine Mutter ist ein Blogroman von mehr als 200 Kapiteln, der online seit September 2003 veröffentlicht wird. Er erklärt die Geschichte einer argentinischen Familie, das Bertotti, in einer humourous Weise. Der Erzähler ist Mirta, eine Hausfrau, die in Mercedes geboren ist das ihren Ehemann, ihren drugaddict Schwiegervater und ihre drei Jugendsöhne beschäftigen muß. Das weblog, geschrieben von Hernan Casciari und von Bernardo Erlich veranschaulicht, ist im Buchformat im Oktober von 2005 von Plaza & Janes in Spanien veröffentlicht worden und wird auch in lateinischem Amerika im April von 2006 von Ed. Sudamericana veröffentlicht werden. November 21, 2005, “Mehr Respekt, ich bin deine Mutter“ wurde gewählt durch die internationale Presse wie bestes Weblog der Welt.

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