Die Diskussion um die Mohammed-Karikaturen der dänischen Jyllands Posten nimmt kein Ende und es gibt viele, die aufschreien und die Pressefreiheit in Gefahr sehen und die heftigen Reaktionen der islamischen Welt verurteilt. Ja, auch ich und es ist natürlich auch immernoch richtig.
Leider ist das Thema aber auch ein gefundenes Fressen für alle, die ihre Vorurteile gegenüber Muslimen bestätigt sehen wollen, siehe z.B. diesen Kommentar. Es werden wohl auch Schutzreflexe ausgelöst, so dass sich viele auf die Seite der dänischen Karikaturisten schlagen und Aktionen wie diese starten. Doch wozu eine “Seite” wählen? Die ganze Sache ist nicht schwarz/weiß oder wir-gegen-die, sondern man kann unnötige Provokation, die islamischen Extremisten sicherlich sehr willkommen ist, genauso verurteilen, wie die Reaktionen darauf.
Hugh Hewitt bringt es auf den Punkt
Karikaturisten, die auf Provokation aus sind, müssen gegen Gewalt verteidigt werden, aber sie verdienen kein Lob, schon garnicht für ihr Geschenk an die Jihadisten.(Übersetzung von mir)
Da ich auch schon populistische und ausländerfeindliche Strömungen in Dänemark erwähnt habe, hier etwas konkreter (1):
- Die rechtspopulistische Dansk Folkeparti (“Dänemark den Dänen”) ist an der Regierung beteiligt.
- Sie sind der Grund dafür, dass sich Dänemark seit 2001 die schärfsten Einwanderergesetze der EU verpasst hat.
- Die Diskussion um die Mohammed-Karikaturen wird benutzt um die muslimfeindliche Stimmung weiter anzuheizen.
- Zu den neuesten Vorschlägen gehören:
- Flüchtlingsfamilien (!) sollen DNA-getestet werden, um “falsche Eltern” aufzuspüren.
- Öffentliche Informationen auf arabisch sollen abgeschafft werden.
- Verurteilte Straftäter sollen sofort mitsamt Familie ausgewiesen werden
- Einheimische Imame, die sich kritisch gegenüber Dänemark äußern sollen ausgewiesen werden können
- Es gab auch schon eine von ranghohen Mitgliedern der Dansk Folkeparti organisierte Telefonkette, die zum Boykott von Geschäften aufrufen, die Einwanderern gehören.
- Ausserdem will die Partei Entwicklungshilfe kürzen und sich so weit wie möglich aus der europäischen Zusammenarbeit zurückziehen.
Klingt richtig sympatisch. Also nochmal: Man muss aufpassen, nicht einer NPD-ähnlichen Partei nach dem Mund zu reden, wenn man ihr Recht auf freie Meinungsäusserung verteidigt und berechtigte Kritik an Gewaltandrohungen von muslimischer Seite übt.
Nachtrag: Die SZ schreibt über Jyllands-Posten.
(1) Quelle: Dagens Nyheter, schwedische Tageszeitung, Printausgabe vom 4.2.2006

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