Gesellschaft

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Es ist schon witzig. Es ist vielen Amerikanern meiner Generation (20/30-somethings) durchaus bewusst, dass David Hasselhoff (“The Hoff”, wie er hier mittlerweile mit Augenzwinkern genannt wird) in Deutschland in den 80er und 90er durchaus sehr populär war und heute immer noch einen gewissen Kultstatus besitzt. Es ist mir schon mehr als einmal passiert, dass, nachdem ich mich als Deutscher vorgestellt habe, Sätze wie “Oh, Du kommst aus Deutschland! Bist Du Hasselhoff-Fan?” – immer mit breitem Grinsen – kommen.

Hasselhoff war hier in den USA eigentlich schon immer der Anti-Star der er so ab Mitte der 90er in Deutschland wurde und man wunderte sich hier offenbar auch schon zu deutschen Hasselhoff-Hoch-Zeiten sehr darüber, was wir Deutschen denn an diesem drittklassigen Schauspieler und viertklassigem Sänger denn fänden. Nach langer Zeit ist mir endlich eine gute Antwort auf diese Frage klargeworden: Hasselhoff war – im übertragenen Sinne – zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Mit seiner Darstellung des stets für die gerechte Sache eintretende Michael Knight in Knight Rider und des Rettungschwimmers Mitch Buchannon in Baywatch, verkörperte er das Gute (und das gute Amerikanische und Freie) an sich. Seine Platte “Looking for Freedom” (und das gleichnamig Lied) kam 1989 im deutschsprachigen Raum auf den Markt und wurde das meistverkaufteste Album dieses Jahres, wohl nicht zuletzt durch die zeitliche Überschneidung mit der Wende in der ehemaligen DDR. Hasselhoff sang den deutschen aus den Herzen und durfte zu Silvester 1989/1990 vor mehr als 500.000 Menschen am Brandenburger Tor “Looking for Freedom” singen.

Man kann über Hasselhoff denken, was man will. Diesen Moment habe ich nicht vergessen:

(youtube Direktlink)

Ich bin sprachlos: http://www.spiegelfechter.com/wordpress/158/der-grunschwarze-block

Das Spiegel Online immer mehr Richtung Bolevard abdriftet (wie ist das eigentlich mit der Print-Ausgabe, die ich auch schon lange nicht mehr gelesen habe?) war mir schon lange klar und ich habe die Seite gemieden.
Auf der Suche nach ersten Ergebnissen der Präsidentschaftswahl in Frankreich, bin ich heute doch mal wieder auf Spiegel Online gelandet. Und was lese ich da?

Verfassungsschutz warnt vor neuem Links-Terror

Der baden-württembergische Verfassungsschutz hält ein Wiederaufflackern des Links-Terrorismus für möglich. Frühere RAF-Mitglieder könnten zu neuen Ikonen werden. Militante Gruppen würden sich bereits auf einen im Januar verfassten Brief Christian Klars berufen.

(Der ganze Online-Artikel ist hier zu lesen.)

Offenbar hat Schmalzl “Bild” Redakteuren ins Mikrophon diktiert, dass er bereits den “alten RAF Geist” durch die linke Szene wehen sehe und dass er insbesonder in Hinblick auf das G8 Treffen im Juni in Heiligendamm erste Verbindungen zwischen alter RAF-Dogmatik und linkem Protest erkenne. In diesem Zusammenhang beruft er sich auf einen Anschlag (mit Sachschaden) einer militanten linken Gruppe auf Büros der italienischen Handelskammer und des türkische Unternehmer- und Industriellenverband in Berlin am 16. März (näheres siehe indymedia.de und Spiegel Online). Im Bekennerschreiben (siehe auch hier) wurde offenbar unter anderem auf die mediale und politische Diskussion um das Grußwort (via jungewelt.de) des Ex-RAF-Terroristen Christian Klars zur Rosa-Luxemburg-Konferenz Bezug genommen. Wichtig ist hier, dass Klars Grußwort an sich keineswegs die Anschläge motiviert hat.

Die Darstellung Schmalzls und die undifferenzierte Berichterstattung auf Spiegel Online, die vermuten lässt, Klars antikapitalistisch angehauchtes Grußwort habe die Anschläge motiviert, sind falsch und es gibt augenblicklich keinerlei Grund zu der Annahme, linksextremistischer Terror in RAF-Manier könnte in der Gegenwart wieder auftauchen. Dieser Ansicht ist übrigens auch der Präsident des Bundesamts für Verfassungschutz, Heinz Fromm (via netzeitung). Alle anderen Behauptungen (insbesondere die Schmalzls) zeugen von schlechtem Geschichtsverständnis und vor allem von einem vollkommen verschobenen Bild der Gegenwartsrealität in Deutschland und Europa. Es ist falsch die Entwicklung des RAF-Terrors aus dem Kontext der gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse der 50/60/70er Jahre zu reissen (siehe etwa Gerhard Baums Artikel in der Zeit und die Ergebnisse von 20 Jahren Terrorismusforschung). Es gibt heute keinen gesellschaftlichen Raum und “Nährboden” aus dem eine linksradikale terroristische Bewegung entstehen könnte und Unterstützung fände.