Astronomie

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Sommeranfang

Mag ja sein, dass Schnee um diese Zeit etwas ungewöhnlich ist, aber deswegen zu behaupten, Sommeranfang sei übermorgen, ist leider falsch – es sei denn ich habe drei Wochen verpennt und heute ist der 19. Juni.

Nachtrag: Es scheint, als ob Meteorologen in der Tat den Sommer schon am 1. Juni anfangen lassen – aus statistischen Gründen. So gesehen ist der oben verlinkte Artikel zwar prinzipiell richtig, weil da vom “meteorologischen Sommeranfang” die Rede ist. Trotzdem ist es ein billiger Trick, um die Situation dramatischer erscheinen zu lassen. Genausogut könnte man sich jede abstruse Definition des Sommeranfangs, die sich eine kleine Gruppe Menschen ausgedacht hat, verwenden. Das allgemein gebräuchliche Datum für den Sommeranfang ist und bleibt der 21. Juni.

Schon vor längerem fiel mir der Artikel Unsere Milchstraße, eine Galaxie mit noch vielen Geheimnissen auf Telepolis (TP) als schlechtes Beispiel für populärwissenschaftliche Darstellungen auf. Ich möchte hier kurz erklären, warum.

Man hat also den Abstand zum nächsten Spiralarm in unserer Galaxie, der Milchstraße, gemessen und TP schreibt:

Das Ergebnis beträgt 1,95 ± 0,04 Kiloparsec (1 Parsec sind 3,26 Lichtjahre, also die Entfernung, die das Licht in 3,26 Jahren zurücklegen kann, dies entspricht etwa 31 Billionen Kilometer), alternativ können wir das Ergebnis auch so angeben: 5,86×1016 Kilometer.

Wie verwirrend für den Laien! Drei verschiedene Einheiten für die gleiche Strecke, wobei es dem Leser sogar überlassen wird, selbst umzurechnen. Ausserdem ist es unnötig, in einem solchen Text die Fehlergrenzen anzugeben, und die Schreibweise in Zehnerpotenzen ist (leider) auch nicht jedem geläufig. Schaut man in den Originalartikel von Science, so kann man erahnen, dass einfach eine Angabe dort übersetzt wurde und nachträglich die Klammer mit der Erklärung des Lichtjahres eingefügt wurde.

Die dazu verwendete Methode wird als “trigonometrische Parallaxe” bezeichnet. Dieses Ergebnis löst eine lang anhaltende Diskrepanz zwischen zwei unterschiedlichen Techniken zur Bestimmung von Abmessungen und Abständen. Während sich die Erde auf ihrer “Himmelsbahn” um die Sonne von der einen Seite des Orbits zu anderen Seite bewegt, verschieben sich nahe gelegene Sterne vor dem entfernten Hintergrund, ein Effekt, der Parallaxe genannt wird.

Der erste Satz hier vergibt nur einen Namen, ohne ihn zu erklären. Der zweite bezieht sich schon auf die Interpretation des Ergebnisses, die später kommt, und steht damit zwischen dem Begriff Parallaxe und dessen Erklärung im letzten Satz hier. Und die Erklärung selbst ist wiederum unzufriedenstellend und verwendet unnötige Verkomplizierungen wie “Himmelsbahn” oder “Orbit”.

Nachem also halbwegs erklärt wurde, wie man diesen Abstand gemessen hat, folgt:

Mit der Feststellung des genauen Abstandes können die Forscher nun aufzeigen, dass sich der Sternencluster W3OH in einer Art und Weise bewegt, der über die einfache Rotation der Milchstraße zu ihrem Zentrum hinausgeht und mit der “spiral density-wave theory” (= spiralenförmigen Dichtewellentheorie) übereinstimmt.

Ich weiss, es ist kleinlich, aber sprachliche Fehler tragen zum Unverständnis bei. Wie wäre es mit “Art und Weise, die über die einfache Rotation der Milchstraße um ihr Zentrum hinausgeht”? Bei der “spiralenförmigen Dichtewellentheorie” musste ich dann zum ersten Mal wirklich auflachen. Es ist nicht nur falsch übersetzt (die Dichtewelle ist spiralförmig, nicht die Theorie), sondern wird auch noch ohne Erläuterung in den Raum geworfen. Ein Satz darüber, dass die Spiralarme durch eine Dichtewelle in der Galaxienscheibe entstehen, hätte gereicht.

Es geht weiter mit einem erneuten Versuch, die Parallaxe zu erklären – unglaublich schlechte Struktur des Artikels. Zum Abschluss wird dann noch die Genauigkeit der Messung mit “0.01 mas” angegeben, ohne die Einheit zu definieren oder gar zu sagen, dass das etwa 3 Milliardstel Grad (Winkel, nicht Temperatur) entspricht. Es wird auch nicht erwähnt, dass dieser Winkel sich direkt in die am Anfang angegebende Entferung umrechnen lässt.

Wie man vielleicht gemerkt hat, fand ich den Artikel schrecklich und lieblos zusammengestückelt. Ich weiss, dass es sehr schwer ist, Forschungsergebnisse allgemeinverständlich wiederzugeben, aber in diesem Fall ist es wirklich gründlich danebengegangen und ich wage sogar zu behaupten, dass solche Artikel mehr schaden als nützen.

Um dem Einwand “Mach es doch besser!” zuvorzukommen, hier meine Version zum Thema: Mit Hilfe von über die ganze Erde verteilten Radioteleskopen hat man die Positionen von einer Gruppe von Sternen sehr genau bestimmt und über einen längeren Zeitraum beobachtet. Da sich die Erde um die Sonne bewegt, sieht man die Sterne nach einem halben Jahr aus einem anderen Winkel und sie verändern daher scheinbar ihre Position. Aus dieser Änderung kann man den Abstand zu diesen Sternen bestimmen. Durch die verbesserte Genauigkeit der Messung ist es möglich, die Dichtewellentheorie zu testen, welche besagt, dass die Spiralarme in Galaxien aus Dichteveränderungen entstehen, die sich wellenförmig durch die Galaxienscheibe fortpflanzen.

Religiöser Fundamentalismus ist schlecht. Wer ein Buch — sei es die Bibel oder der Koran — für die Worte einer höheren Macht hält, verschließt sich rationalen Argumenten. Soetwas gibt es nicht nur in der arabischsprechenden Welt, sondern auch in westlichen Ländern. Zum Beispiel gibt es hier in Uppsala, mitten im eigentlich äußerst säkularen und atheistischen Schweden, eine extrem bibeltreue und kreationistische Vereinigung, die sogar “Schüler” aus Deutschland anzieht.

Die Debatte um Intelligentes Design (ID), ein Versuch, Kreationismus in ein wissenschaftliches Gewand zu kleiden, wird in den USA viel heftiger geführt als in Europa, auch wenn solcher Unsinn hier keineswegs eine geringe Rolle spielt: Laut einer Umfrage in England halten nur 48% der Leute Evolution für die richtige Erklärung für die Entstehung des Lebens, gegenüber 39%, die Kreationismus bzw. ID antworteten (Quelle).

Eines der “Argumente” der ID-Gläubigen ist, dass Evolution “nur eine Theorie” sei und deswegen nur eine von vielen möglichen Theorien. Ersteres ist prinzipiell richtig, aber es wird dabei völlig verschwiegen, dass der Begriff Theorie im wissenschaftlichen Zusammenhang anders verwendet wird als im normalen Sprachgebrauch. Mit Theorie werden in der Wissenschaft oft die am besten getesteten und erfolgreichsten Konzepte bezeichnet, im Gegensatz zu Hypothese, das eher die Unsicherheit und Vorläufigkeit der Theorie im normalsprachlichen Sinn wiedergibt.

Es ist also ein inhaltsloses Argument gegen Evolution und spiegelt auch ein generelles Unverständnis des Wissenschaftlichen Prozesses wieder. Auch wenn eine gängige Theorie (noch) nicht alles erklären kann, gibt man sie nicht auf, bis jemand mit einer besseren aufwartet. Diese muss allerdings auch wirklich die bisherige Theorie übertreffen und das ist in Anbetracht des immensen Erfolges der etablierten Wissenschaft ein schwieriges Unterfangen. Das genannte Beispiel “Intelligent Design” ist eben gerade kein solcher Fall, denn es hat als Alternative zu Evolution keinerlei Erklärungspotential.

Der eingentliche Grund, warum ich all das schreibe, ist, dass es jetzt auch die “Theorie” vom Urknall (Big Bang), also der Entstehung des Universums getroffen hat. Ein übereifriger Funktionär der Bush-Regierung will der NASA verbieten, den Big Bang als eine Tatsache darzustellen. Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man sich darüber totlachen.

Nachtrag: Oben genannter DerUrknallIstNurEineTheorie-Mensch musste eben seinen Hut nehmen weil er in seinem Lebenslauf gelogen hat.

plutos new moonsEs wurden zwei neue Monde um Pluto gefunden und die Nachricht ist zur Zeit überall zu lesen. Ob dies allerdings eine wichtige Entdeckung ist darf bezweifelt werden. Zuallererst muss man wissen, dass Pluto einen schon lange bekannten Mond hat, Charon. Dieser ist nicht wirklich viel kleiner als Pluto selbst und da Pluto und Charon sich um ihren gemeinsamen Schwerpunkt bewegen, kann man von einem Doppelplaneten sprechen. Die beiden neuentdeckten Monde haben nur etwa ein Zehntel von Charons Größe (100km gegen 1000km Durchmesser ) und sind viel weiter entfernt von Pluto als dieser. Deshalb ist der Begriff Steinklumpen wohl mehr gerechtfertigt als Mond.

Gleiches gilt im übrigen für Pluto selbst. Es gibt keine klare Trennung von Pluto und anderen Objekten im Kuipergürtel, wie etwa Sedna. Deswegen und wegen seiner geringen Größe im Vergleich zu Gasplaneten wie Neptun, betrachten viele Astronomen Pluto nicht mehr als Planet, sondern nur als eines der transneptunischen Objekte. Unser Sonnensystem hat demnach acht und nicht neun Planeten. All das ist aber einfach eine Definition oder Konvention und deshalb nicht wirklich wichtig.