Artikel von Ralf

Ich wurde geboren, nicht aber gestorben.

Standpunkte

Von wo aus soll man gewaltige Felsen, hohe Türme, Wolkenkratzer betrachten, um einen möglichst guten Eindruck dieser geschätzten Eigenschaft zu bekommen? Von oben?? Wo so etwas steht, rast jeder sofort unter körperlichem und monetärem Einsatz oben rauf, macht Fotos, lässt sich wieder herab und geht. Alle anderen Punkte als die Spitze sind nur lästige “da oben wollen wir hin!”-Zwischenstationen.

Das Lustige ist nun: die Spitze ist der Punkt, von dem man (außer vielleicht vom Inneren aus) am wenigsten des ach so bewunderten Objektes sieht. Man sieht es aus der gesamten Umgebung, nur halt nicht von seiner Spitze aus. Dafür sieht es da aus wie von jeder anderen erhöhten Position auch: kleine Menschen, Spielzeugautos, kleine Häuser, im Dunst verschwindendes Drumrum, alles schon mal gesehen. Und windig ist es.

Was man dagegen verpaßt: das, was den Giganten zu dem macht, was er ist, die innere Struktur, die Kraftflüsse, die geniale Leistung des Baumeisters, die Fragilität der Konstruktion, den Eindruck von Gewaltigkeit, das sich klein Fühlen, den Materialeinsatz, die Kosten, den technischen Stand.

Vielleicht ist es wie beim Anblick einer laufenden Maschine, eines Rasenmähers, eines Getriebes, man ist versucht, die Hand dahin zu strecken, wo sich das Geschehen visuell konzentriert, wo jeder hinsieht. Man will Teil des bewunderten grossen Ganzen sein. Nur, dass im letzteren Fall die Vernunft meist die Oberhand bewahrt.