Artikel von Christian

Artikel von Christian.

Die deutsche Forschungselite tagt gerade auf der Hauptversammlung der Max-Planck-Gesellschaft (MPG), die dieses Jahr in Dresden stattfindet. Eigentlich treffen sich hier nur die Bosse, also die Direktoren der Max-Planck-Institute. Ein paar Nachwuchswissenschaftler haben sie sich aber auch eingeladen.

Ich bin gerade im Kongresszentrum angekommen und musste zu meiner Verwunderung feststellen, dass es kein freies Wireless-Netzwerk gibt. Nur ein T-Mobile HotSpot mit idiotischen Tarifen: 8 Euro pro Stunde oder als einzige alternative 29 Euro für 30 Tage. Wer denkt sich denn bitte sowas aus? Wieso muss das soviel kosten? Wieso kann die MPG keine freies Netz zur Verfügung stellen? In welchem Jahrhundert leben die Organisatoren von der MPG?

Update: Beim Rausgehen ist mir aufgefallen, dass am Empfang Zettel mit Login-Daten lagen… Das hätte mir mal eher auffallen sollen!

Dynamische Webseiten, etwa generiert mit Wordpress oder anderen online-Publikationssystemen, kümmern sich ganz benutzerfreundlich automatisch um die Bereitstellung von RSS-Feeds (siehe Wikipedia), die Lesern in kurzer Form über neue Inhalten informieren. Im Web 2.0 wünscht man sich manchmal, es gäbe solche RSS-Feeds auch für klassische HTML Seiten, die vielleicht wichtige Informationen enthalten, über deren Aktualisierung man aber nicht bequem per RSS informiert wird.

Ein Fallbeispiel: Die International Astronomical Union, kurz IAU, unterhält eine Liste, die alle entdeckten Sternenexplosionen (Supernovae: Wikipedia) aufführt. Die Seite ist in reinem HTML gehalten und wird jeweils bei der Bekanntgabe einer neuen Supernova aktualisiert. Für meine Arbeit ist es wichtig, über neue entdeckte Supernovae informiert zu werden. Gleichzeitig kann ich mir aber nicht leisten, den teuren e-mail Informationsdienst der IAU zu abonnieren und will auch nicht ständig selbst die Seite anwählen und nachschauen. Die Lösung meines Problems: feed43.com (für andere Websites, die ähnliche Dienste anbieten, siehe hier). Ohne Registrierung, einfach einzurichten und ganz kostenlos liest feed43.com die IAU Supernova HTML Seite und stellt mir (und allen anderen Interessierten) einen RSS-Feed zur Verfügung: http://feed43.com/7782441077407272.xml. Taucht eine neue Supernova auf, so werde ich darüber bequem von meinen RSS-Reader informiert. Ich verwende übrigens den Web-basierten Gregarius, den ich sehr empfehle.

(Sorry, falls dieser Post etwas deplaziert auf blogressiv wirkt – ich bin im Augenblick zu sehr begeistert, um nicht darüber zu schreiben :-) )

Kerosin wird immer teurer und der Wettbewerb der Billigflieger gleichzeitig immer härter. Was macht man da um die Flugpreise niedrig (aka konkurrenzfähig) zu halten? ... Man lagert den eigentlichen Preis des Fluges aus. In sogenannte “Surcharges”, Aufpreise. So sieht die Kostenaufstellung fuer einen 2-Personen Roundtrip Berlin—Stockholm mit German Wings jetzt aus:
German Wings surcharges

Für 48 Euro/Person hin und zurück! Nicht schlecht oder? Nur noch ne kleine Fuel Surcharge (der böse böse Ölpreis!), dann natürlich die obligatorische Sicherheitsgebühr (auch gerne 9/11 fee genannt), die Passenger Service Charge (na da bin ich mal gespannt, wie der Service wird!) und zum Schluss noch ne schöne Zusatz-Surcharge (Surcharge Surcharge?) macht dann 125 Euro/Person!

Es liesse sich einiges über US-amerikanische Küchengeräte und ihre Unterschiede zu deutschen/europäischen schreiben. Wirklich spannend wäre das aber alles wohl nicht. Schön hingegen ist das Leuchten der offenliegenden Heizelemente beim spätabendlichen Kaffeekochen.

Making Coffee




Nach langer Zeit habe ich endlich einmal 2 Wochen Urlaub—ich bin im Augenblick zurück in Berlin, besuche bald Thomas in Schweden und werde sicher einiges hier auf blogressiv in den nächsten Tagen und Wochen zu sagen haben. Mal schauen, ob ich es schaffe, ab jetzt regelmäßig zu bloggen. – Christian

I-19
Als ich diese Woche den 100-km-Trip nach Nogales, Sonora (Mexico) gemacht habe, um mein Visum zu verlängern, fuhr ich früh morgens auf der US Interstate 19. I-19 ist eigentlich gar keine wirkliche Interstate. Sie verläuft nur die 100 km von Tucson nach Nogales, Arizona. Die Landschaft ist nicht atemberaubend. Southern Arizona halt, mit Steppe, Salinen, viel brauens Niemandsland, ein paar Gebirgsketten. I-19 (km)
Das vielleicht einzig wirklich Bemerkenswerte, ist die Tatsache, dass Entfernungsangaben entlang der I-19 praktisch durchgehend im metrischen (also Meter und Kilometer) System anstatt im sonst hier in den USA üblichen angelsächsischen System (Fuss, Yards, Meilen, auch: Imperial Units) gehalten sind (siehe Bild). Die Höchstgeschwindigkeitsangaben sind jedoch in Meilen (meist 75 Meilen/Stunde, was etwa 120 km/h entspricht). Laut Wikipedia war das metrische System zum Zeitpunkt der Fertigstellung der I-19 in den USA gerade sehr angesagt und sollte in den ganzen USA eingeführt werden. Daraus wurde aber offensichtlich nichts. Mittlerweile ist der Bundesstaat Arizona wohl dabei, die Schilder nach und nach durch neue mit Angaben in Meilen auszutauschen. Schade!

Nach erfolgreicher Visumsverlängerung wieder in Tucson angekommen hörte ich durch Zufall ein paar Songs der eigentlich nordirischen/britischen Band “The Divine Comedy”. Vom Album “Absent Friends” lief der Song “Freedom Road” und der beginnt so:

It’s early morning on I-19.
I ain’t got much for company,
A pick-up truck, a brown Volvo,
And a couple of jokers on the radio.
(Copyright The Divine Comedy and whoever thinks they have the right to claim copyright. Kompletter Liedtext ist über google zu finden.)

Aus dem Song wird nicht ganz klar, ob wirklich I-19 in Arizona gemeint ist. Da es aber nirgendwo sonst eine I-19 gibt, haben sich die göttlichen Komödianten entweder was ausgedacht oder meinen eben halt doch diese eine I-19! Eine Autobahn mit ihrem eigenen Song! Welcher andere Highway hat das schon (ausser Route 66 und dem Pacific Coast Highway 1)?

P.S.: Wäre es nicht wunderbar, ich könnte jetzt direkt und legal auf einen Stream oder gar auf ein MP3 von “Freedom Road” verlinken? Vielleicht gibt’s das ja dann bei Web 3.0 mit pay-per-click… :-(

Es gibt doch immer mal wieder die eine oder andere erheiternde SPAM-Mail. Diese hier kam heute beim blogressiv-Server an:

Delivery-date: Sat, 30 Jun 2007 17:25:41 +0200
From: Gomopa Rechtsabteilung info-keinspam@gomopa.net
To: postmaster-keinspam@blogressiv.de
Subject: Betrugsvorwurf. Bitte beziehen Sie umgehend Stellung um weitere Konsequenzen zu vermeiden

Vorwurf des Betruges/Mitteilung in unserem Gomopa Insider-Forum

Sehr geehrte Damen und Herren,

zu Ihrer Firma www.blogressiv.de wurde uns mitgeteilt, dass Sie sich des
Betruges schuldig gemacht haben.
Ein Gompoa-Mitglied hat uns das in der Rubrik Wirtschaftsbetrug gepostet.

Melden Sie sich bitte in unserem Insider-Forum gegen Wirtschaftsbetrug
unter www.gomopa.net an und suchen Sie
den Beitrag. (Am schnellsten nach blogressiv.de suchen)

Sollten Sie nicht umgehend Stellung dazu nehmen erfolgt Strafanzeige wegen
Verdacht des Betruges bei Ihrer Polizeidienststelle.

Dieser Aufforderung sollten Sie unbedingt Folge leisten. Die Konsequenzen
sind sonst unangenehm.

Hochachtungsvoll

Goldman Morgenstern Partners
Rechtsabteilung

Ich verstehe nicht ganz, was da beabsichtig wird. Ich kann mir nur vorstellen, dass die Herrschaften von Goldman Morgenstern Partners vielleicht einfach mehr Besucher auf ihrer Seite bzw. Mitglieder ihres Forums brauchen—eventuell aus finanziellen Gesichtspunkten, schliesslich bringt mehr Traffic immer auch mehr Werbeeinnahmen. Aber ist so eine Drohung der richtige Weg, Besucher anzulocken? Ich versteh’s einfach nicht… Hinzu kommt, dass die Mail laut Header von einer indischen IP angeliefert wurde—ein möglicherweise beauftragter Profi-Spammer?

Lustige weitere Informationen über gomopa.net gib’s hier.
Das blogressiv-Team ist jedenfalls schon auf den Inhalt der Strafanzeige gespannt! ;-)

Update, 14.9.07: Email-Header gekürzt und Adressen verfremdet.

Es ist schon witzig. Es ist vielen Amerikanern meiner Generation (20/30-somethings) durchaus bewusst, dass David Hasselhoff (“The Hoff”, wie er hier mittlerweile mit Augenzwinkern genannt wird) in Deutschland in den 80er und 90er durchaus sehr populär war und heute immer noch einen gewissen Kultstatus besitzt. Es ist mir schon mehr als einmal passiert, dass, nachdem ich mich als Deutscher vorgestellt habe, Sätze wie “Oh, Du kommst aus Deutschland! Bist Du Hasselhoff-Fan?” – immer mit breitem Grinsen – kommen.

Hasselhoff war hier in den USA eigentlich schon immer der Anti-Star der er so ab Mitte der 90er in Deutschland wurde und man wunderte sich hier offenbar auch schon zu deutschen Hasselhoff-Hoch-Zeiten sehr darüber, was wir Deutschen denn an diesem drittklassigen Schauspieler und viertklassigem Sänger denn fänden. Nach langer Zeit ist mir endlich eine gute Antwort auf diese Frage klargeworden: Hasselhoff war – im übertragenen Sinne – zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Mit seiner Darstellung des stets für die gerechte Sache eintretende Michael Knight in Knight Rider und des Rettungschwimmers Mitch Buchannon in Baywatch, verkörperte er das Gute (und das gute Amerikanische und Freie) an sich. Seine Platte “Looking for Freedom” (und das gleichnamig Lied) kam 1989 im deutschsprachigen Raum auf den Markt und wurde das meistverkaufteste Album dieses Jahres, wohl nicht zuletzt durch die zeitliche Überschneidung mit der Wende in der ehemaligen DDR. Hasselhoff sang den deutschen aus den Herzen und durfte zu Silvester 1989/1990 vor mehr als 500.000 Menschen am Brandenburger Tor “Looking for Freedom” singen.

Man kann über Hasselhoff denken, was man will. Diesen Moment habe ich nicht vergessen:

(youtube Direktlink)

Wie George W. Bush gerne in Reden erwähnt, ist Amerika, genauer, sind die Vereinigten Staaten, “the freest nation on Earth’s face.” - die freieste Nation auf dem Erdboden. Wie bei vielem in diesem Land trügt der Schein. Es gibt auf dem Papier kein Meldewesen, keinen Personalausweis (aka National ID) und allein die Größe und, bis auf in Ballungsräume und an Ost und Westküste, sehr niedrige Besiedlungsdichte erwecken den Anschein, dass in diesem Land jeder unbehelligt von Staatsmacht und der ihn umgebenden Gesellschaft, praktisch anonym sein Süppchen kochen könnte.

Tatsächlich sind Freiheit und Anonymität zumindest teilweise nur Illusion. Beispiel persönliche Daten: Jeder Amerikaner und jeder Ausländer, der jemals legal in den USA gearbeitet hat, hat eine Sozialversicherungsnummer, die Social Security Number - und man braucht sie überall. Für den Arbeitgeber natürlich, beim Finanzamt, beim Beantragen eines Führerscheins, beim Eröffnen eines Bankkontos. Der Vermieter will sie haben, die Kranken und Autoversicherungen natürlich auch und so weiter und so fort. Weil Versicherungsnehmern, Bankkunden und Mietern generell scheinbar nicht zu trauen ist, geht die Datensammelwut der Unternehmen sehr weit. Es geht vor allem um die “credit history”, die finanzielle Historie des Kunden, um seine Kreditwürdigkeit festzustellen. Man muss üblicherweise Wohnanschriften der letzten paar Jahre sowie detaillierte Informationen zu Arbeitsstelle und Lebensumständen angeben. Diese werden dann überprüft. Bei Versicherungen richtet sie die Höhe der Prämien zu einem gewissen Teil nach den Ergebnissen dieser Überprüfung. Bei Ausländern bei denen naturgemäß eine detaillierte Überprüfung von den USA aus schwierig ist, wird schonmal im Zweifelsfalle die höchste Prämie verlangt.

Natürlich ist jeder frei, seine privaten Daten für sich zu behalten. Er bekommt dann halt keine Wohnung, kann sein Auto nicht versichern und muss auf Bankkonto und Kreditkarte verzichten. Ja, die USA sind ein freies Land.

Letzens schrieb mir meine Vermieterin eine e-Mail. Sie habe ein unbekanntes Auto auf der Straße vor dem Bungalowkomplex gesehen. Ob das mein Neues sei und ich solle doch bitte ihr Informationen über Kennzeichen, Marke, Typ, Farbe und Baujahr zukommen lassen. Auf Rückfrage, wieso das denn nötig sei, da das Auto immer auf der Straße im öffentlichen Raum (na ja, man braucht einen Anwohnerparkschein von der Stadtverwaltung) geparkt sei und somit nichts direkt mit dem Gelände zu tun habe, antwortete sie (ziemlich wörtlich übersetzt ohne Versuche, groß aus dem Schreiben Sinn zu machen):

Wir benötigen bestimmte Informationen, um das Anwesen effektiv führen zu können. Informationen über Ihr Fahrzeug gehören – wie im Mietvertrag angegeben – dazu. Wir fragen nach Ihren Fahrzeuginformationen zur Sicherheit der Anwohner. Wenn wir ein Fahrzeug sehen, das wir nicht kennen, schauen wir es uns mit recht großer Wahrscheinlichkeit näher an. Vielleicht ist gerade jemand Unbekanntes dabei, Wertsachen aus einem der Bungalows aus- und in sein uns unbekanntes Fahrzeug einzuräumen. Hinzu kommt, dass nichtauthorisierte Bewohner manchmal zusätzliche Abnutzung, Zerstörung, Lärm und/oder kriminelle Aktivitäten auf das Anwesen bringen. Ausserdem reduzieren illegal abgestellte Fahrzeuge die Anzahl der Parkplätze die für die Anwohner zur Verfügung stehen.

Hallo? Sinn macht diese Antwort jedenfalls kaum. Illegal abgestellte Fahrzeuge auf einer öffentlichen Straße wo man sowieso einen Anwohnerparkschein benötigt, um nicht Gefahr zu laufen, abgeschleppt zu werden? Ich kann dieses übertriebene Sicherheitsverlangen (oder was immer es hier ist) einfach nicht nachvollziehen.

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