June 2007

Monatliches Archiv für June 2007.

Es gibt doch immer mal wieder die eine oder andere erheiternde SPAM-Mail. Diese hier kam heute beim blogressiv-Server an:

Delivery-date: Sat, 30 Jun 2007 17:25:41 +0200
From: Gomopa Rechtsabteilung info-keinspam@gomopa.net
To: postmaster-keinspam@blogressiv.de
Subject: Betrugsvorwurf. Bitte beziehen Sie umgehend Stellung um weitere Konsequenzen zu vermeiden

Vorwurf des Betruges/Mitteilung in unserem Gomopa Insider-Forum

Sehr geehrte Damen und Herren,

zu Ihrer Firma www.blogressiv.de wurde uns mitgeteilt, dass Sie sich des
Betruges schuldig gemacht haben.
Ein Gompoa-Mitglied hat uns das in der Rubrik Wirtschaftsbetrug gepostet.

Melden Sie sich bitte in unserem Insider-Forum gegen Wirtschaftsbetrug
unter www.gomopa.net an und suchen Sie
den Beitrag. (Am schnellsten nach blogressiv.de suchen)

Sollten Sie nicht umgehend Stellung dazu nehmen erfolgt Strafanzeige wegen
Verdacht des Betruges bei Ihrer Polizeidienststelle.

Dieser Aufforderung sollten Sie unbedingt Folge leisten. Die Konsequenzen
sind sonst unangenehm.

Hochachtungsvoll

Goldman Morgenstern Partners
Rechtsabteilung

Ich verstehe nicht ganz, was da beabsichtig wird. Ich kann mir nur vorstellen, dass die Herrschaften von Goldman Morgenstern Partners vielleicht einfach mehr Besucher auf ihrer Seite bzw. Mitglieder ihres Forums brauchen—eventuell aus finanziellen Gesichtspunkten, schliesslich bringt mehr Traffic immer auch mehr Werbeeinnahmen. Aber ist so eine Drohung der richtige Weg, Besucher anzulocken? Ich versteh’s einfach nicht… Hinzu kommt, dass die Mail laut Header von einer indischen IP angeliefert wurde—ein möglicherweise beauftragter Profi-Spammer?

Lustige weitere Informationen über gomopa.net gib’s hier.
Das blogressiv-Team ist jedenfalls schon auf den Inhalt der Strafanzeige gespannt! ;-)

Update, 14.9.07: Email-Header gekürzt und Adressen verfremdet.

Es ist schon witzig. Es ist vielen Amerikanern meiner Generation (20/30-somethings) durchaus bewusst, dass David Hasselhoff (“The Hoff”, wie er hier mittlerweile mit Augenzwinkern genannt wird) in Deutschland in den 80er und 90er durchaus sehr populär war und heute immer noch einen gewissen Kultstatus besitzt. Es ist mir schon mehr als einmal passiert, dass, nachdem ich mich als Deutscher vorgestellt habe, Sätze wie “Oh, Du kommst aus Deutschland! Bist Du Hasselhoff-Fan?” – immer mit breitem Grinsen – kommen.

Hasselhoff war hier in den USA eigentlich schon immer der Anti-Star der er so ab Mitte der 90er in Deutschland wurde und man wunderte sich hier offenbar auch schon zu deutschen Hasselhoff-Hoch-Zeiten sehr darüber, was wir Deutschen denn an diesem drittklassigen Schauspieler und viertklassigem Sänger denn fänden. Nach langer Zeit ist mir endlich eine gute Antwort auf diese Frage klargeworden: Hasselhoff war – im übertragenen Sinne – zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Mit seiner Darstellung des stets für die gerechte Sache eintretende Michael Knight in Knight Rider und des Rettungschwimmers Mitch Buchannon in Baywatch, verkörperte er das Gute (und das gute Amerikanische und Freie) an sich. Seine Platte “Looking for Freedom” (und das gleichnamig Lied) kam 1989 im deutschsprachigen Raum auf den Markt und wurde das meistverkaufteste Album dieses Jahres, wohl nicht zuletzt durch die zeitliche Überschneidung mit der Wende in der ehemaligen DDR. Hasselhoff sang den deutschen aus den Herzen und durfte zu Silvester 1989/1990 vor mehr als 500.000 Menschen am Brandenburger Tor “Looking for Freedom” singen.

Man kann über Hasselhoff denken, was man will. Diesen Moment habe ich nicht vergessen:

(youtube Direktlink)

Wie George W. Bush gerne in Reden erwähnt, ist Amerika, genauer, sind die Vereinigten Staaten, “the freest nation on Earth’s face.” - die freieste Nation auf dem Erdboden. Wie bei vielem in diesem Land trügt der Schein. Es gibt auf dem Papier kein Meldewesen, keinen Personalausweis (aka National ID) und allein die Größe und, bis auf in Ballungsräume und an Ost und Westküste, sehr niedrige Besiedlungsdichte erwecken den Anschein, dass in diesem Land jeder unbehelligt von Staatsmacht und der ihn umgebenden Gesellschaft, praktisch anonym sein Süppchen kochen könnte.

Tatsächlich sind Freiheit und Anonymität zumindest teilweise nur Illusion. Beispiel persönliche Daten: Jeder Amerikaner und jeder Ausländer, der jemals legal in den USA gearbeitet hat, hat eine Sozialversicherungsnummer, die Social Security Number - und man braucht sie überall. Für den Arbeitgeber natürlich, beim Finanzamt, beim Beantragen eines Führerscheins, beim Eröffnen eines Bankkontos. Der Vermieter will sie haben, die Kranken und Autoversicherungen natürlich auch und so weiter und so fort. Weil Versicherungsnehmern, Bankkunden und Mietern generell scheinbar nicht zu trauen ist, geht die Datensammelwut der Unternehmen sehr weit. Es geht vor allem um die “credit history”, die finanzielle Historie des Kunden, um seine Kreditwürdigkeit festzustellen. Man muss üblicherweise Wohnanschriften der letzten paar Jahre sowie detaillierte Informationen zu Arbeitsstelle und Lebensumständen angeben. Diese werden dann überprüft. Bei Versicherungen richtet sie die Höhe der Prämien zu einem gewissen Teil nach den Ergebnissen dieser Überprüfung. Bei Ausländern bei denen naturgemäß eine detaillierte Überprüfung von den USA aus schwierig ist, wird schonmal im Zweifelsfalle die höchste Prämie verlangt.

Natürlich ist jeder frei, seine privaten Daten für sich zu behalten. Er bekommt dann halt keine Wohnung, kann sein Auto nicht versichern und muss auf Bankkonto und Kreditkarte verzichten. Ja, die USA sind ein freies Land.

Letzens schrieb mir meine Vermieterin eine e-Mail. Sie habe ein unbekanntes Auto auf der Straße vor dem Bungalowkomplex gesehen. Ob das mein Neues sei und ich solle doch bitte ihr Informationen über Kennzeichen, Marke, Typ, Farbe und Baujahr zukommen lassen. Auf Rückfrage, wieso das denn nötig sei, da das Auto immer auf der Straße im öffentlichen Raum (na ja, man braucht einen Anwohnerparkschein von der Stadtverwaltung) geparkt sei und somit nichts direkt mit dem Gelände zu tun habe, antwortete sie (ziemlich wörtlich übersetzt ohne Versuche, groß aus dem Schreiben Sinn zu machen):

Wir benötigen bestimmte Informationen, um das Anwesen effektiv führen zu können. Informationen über Ihr Fahrzeug gehören – wie im Mietvertrag angegeben – dazu. Wir fragen nach Ihren Fahrzeuginformationen zur Sicherheit der Anwohner. Wenn wir ein Fahrzeug sehen, das wir nicht kennen, schauen wir es uns mit recht großer Wahrscheinlichkeit näher an. Vielleicht ist gerade jemand Unbekanntes dabei, Wertsachen aus einem der Bungalows aus- und in sein uns unbekanntes Fahrzeug einzuräumen. Hinzu kommt, dass nichtauthorisierte Bewohner manchmal zusätzliche Abnutzung, Zerstörung, Lärm und/oder kriminelle Aktivitäten auf das Anwesen bringen. Ausserdem reduzieren illegal abgestellte Fahrzeuge die Anzahl der Parkplätze die für die Anwohner zur Verfügung stehen.

Hallo? Sinn macht diese Antwort jedenfalls kaum. Illegal abgestellte Fahrzeuge auf einer öffentlichen Straße wo man sowieso einen Anwohnerparkschein benötigt, um nicht Gefahr zu laufen, abgeschleppt zu werden? Ich kann dieses übertriebene Sicherheitsverlangen (oder was immer es hier ist) einfach nicht nachvollziehen.

Die “Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft” (INSM), eine neoliberale Lobbygruppe (mehr Details nachzulesen im INSM Watchblog) schickt sich an, ein jährliches Bundesländer-”Ranking” herauszugeben.

Als eine von Berlins “Stärken” wird da angeführt:

Die Arbeitnehmerentgelte je Arbeitsnehmer sind in Berlin von 2004 – 2006 am stärksten gesunken. Mit einem Minus von 1,1 Prozent (Schnitt +0,5 Prozent) liegt Berlin damit auf Platz 1.

WTF?!? Kann mir mal einer erklären, was das in Hinblick auf eine soziale Marktwirtschaft Gutes an sich hat? Ist es nicht eher schlecht, wenn die Arbeitnehmerentgelte sinken?

Update: Dieser Hintergrundartikel aus Zeit vom 04. Mai 2005 zur INSM ist interessant.

American Airlines Flug 84, Chicago—Frankfurt, Boeing 767-300.

Blogs sind ja auch zum Sich-Beschweren da.

Ich bin am Samstag Vormittag mit einem American Airlines Flug aus Chicago in Frankfurt angekommen. Von amerikanischen Fluggesellschaften ist man ja einiges gewöhnt. 5 Dollar fuer ein winziges Fläschchen schlechten Weins, oft unfreundliches Personal, schlechtes Essen – es wird halt überall gespart wo es nur geht. Also hauptsächlich an Passagieren in Economy (Neudeutsch für Touristenklasse). Zahlvieh eben.

Was ich heute Nacht erlebt habe erreicht allerdings eine neue Klasse der Passagierschikane.

Erstens:
In der Touristenklaase war eine Toilette defekt—und zwar schon in Chicago am Boden. Sie war versiegelt und auf ihr klebte ein “out of order” Schild. Folge: Anstatt 4 Toiletten mussten sich die ca. 200 Passagiere der Touristenklasse 3 Toiletten teilen. In der Businessklasse saßen 30 Passagiere und teilten sich 2 Waschräume. Durchsage (auf Deutsch und Englisch): Es ist verboten, während des Fluges die gebuchte Kabinenklasse zu verlassen. Man darf also nicht mal vor zur Business aufs Klo. Aha. Fröhliches in der Schlange stehen war angesagt (was eigentlich auch verboten ist…). 4 Toiletten für 200 Passagiere sind schon eine Frechheit. Dass American Airlines dann (aus welchen Gründen auch immer—vermutlich Zeit/Geld) auf die Reparatur einer Toilette verzichtet ist unverschämt. Und beängstigend ist die Frage: Wenn sie schon die Toiletten nicht reparieren, sparen sie dann evtl. auch an Wartungsarbeiten und an Ersatzteilen? Gefährden sie mit ihrem Sparen nicht nur den Komfort des Großteils ihrer Passagiere sondern eventuell auch deren Sicherheit?

Zweitens:
Essen. Groß angekündigt als “International Flagship Dinner” war das Essen das absolut schlechteste was mir jemals in einem Flugzeug vorgesetzt wurde. Klar, jeder meckert über Flugzeugkost. Aber gegen das American Airlines “International Flagship Dinner” erscheint mir das Essen bei anderen Gesellschaften wie das eines Feinschmeckerlokals. Es gab Huhn. Natürlich einzunehmen mittels billigstem Plastikbesteck. Welche Art von Fleisch es tatsächlich war, konnte ich geschmacklich nicht feststellen. Das Fleisch (?) war weiß, wabbelig, aber gleichzeitg voller Knorpel und vollkommen geschmacksfrei. Daran änderte auch die braune nichtidentifizierbare Sauce nichts. Beilagen waren eine winzige Menge Kartoffelbrei (fast bissfest) und grüne geschmacksneutrale Bohnen. Gesamtgewicht des Essens ca. 150 Gramm (geschätzt). Der Appetit war mir sowieso nach den ersten Bissen vergangen. Auf dem Tablett war ansonsten noch ein eingeschweisstes Brötchen (wie alt das wohl war?), trockene Kekse, die ich erst gar nicht versucht habe und ein nicht weiter erwähnenswerter Salat von normal-mäßiger Qualität. Und das nennen die “International Flagship Dinner”. Ein Euphemismus oder gar Ironie? Angesichts der Tatsache, dass American Airlines soweit ich weiß nur noch auf Langstreckenflügen überhaupt Essen anbietet, halten sie diesen Fraß tatsächlich für etwas besonderes.

Ich habe für den Flug 100.000 meiner Prämienmeilen bezahlt. Ein normales Hin- und Rückflug-Ticket in meiner Buchungsklasse kostet im Augenblick etwa 1500,- Dollar. Im Winter ist fliegen offenbar günstiger und man zahlt um die 800,- Dollar. Der Preis ist weitgehend unabhängig von der Fluggesellschaft (ein Schelm sei, wer da Preisabsprachen vermuten würde). Ich bin der Ansicht, für mein Geld mehr Service und intakte Waschräume erwarten zu können. Von korrekt gewarteten und sicheren Flugzeugen gar nicht zu reden (hier will ich American Airlines nichts unterstellen). Dass das geht sieht man an Gesellschaften wie Air France/KLM und Lufthansa, die hochprofitabel operieren und hervorragenden Service (im Vergleich zu American Airlines) auf ihren Lang- und Mittelstreckenflügen anbieten. Lufthansa hat gar Metallbesteck und meiner Ansicht nach wirklich gutes Essen.

Ich werde in Zukunft American Airlines so gut ich kann meiden. Den Rückflug werde ich sicher überleben. Mein nächster Transatlantikflug ist dann mit Northwest Airlines. Mit denen hatte ich bisher eigentlich gute Erfahrungen.

Update: Hier eine Story (leider nur auf Englisch) über einen Continental Airlines Flug von Amsterdam nach New York, bei dem nicht nur eine, sondern fünf von sechs Toiletten kaputt waren…

Ich bin sprachlos: http://www.spiegelfechter.com/wordpress/158/der-grunschwarze-block

Seitdem ich letztes Jahr erstmals über die Spendensammel-Aktionen der iranischen Oppositionsgruppe “iranischen Volksmudschahedin” (Modjahedin-e Khalq, MEK) gebloggt habe und die Beiträge über Google zu finden sind, ist blogressiv.de doch tatsächlich in das Bewusstsein des MEK und seiner Spendensammel-Vereine “Menschenrechtszentrum für ExiliranerInnen e.V.” (MEI) und “Hilfswerk für Menschenrechte im Iran (HMI) e.V.” gerückt.

Es ist natürlich verständlich und hätte vorhersehbar sein können, dass Graswurzel-Mitglieder des MEK, die ihre Sache durch meine Blogeinträge und die Vielzahl von kritischen Kommentaren gefährdet sehen, versuchen würden, ihre Meinung via Kommentare kundzutun. Einige MEK-Unterstützer taten das auch offen und ehrlich (siehe etwa Kommentare von Dana, Yuko, Armin, hier nachzulesen). Diese Kommentare sind zulässig und wurden in keiner Weise editiert. Mit der Zeit häuften sich aber Kommentare wie folgender:

Anke | IP: xx.xxx.xxx.xxx
Ich habe heute auch in Unter den Linden einer Freiwilligen von HMI geholfen und habe eine Summe gespendet, die mir nicht leicht gefallen ist, aber ich habe es aus Überzeugung gemacht und bin jetzt froh, dass ich diese Spende gemacht habe. Und zwar, weil ich denke, daß wir in unserem eingeschrenkten Himmel leben und mit unserer Skepssis uns noch mehr einschrenken. Wer kann uns denn beweisen, daß diese informationen, die hier stehen alles der Wahrheit entsprechen? Keiner kann das beweisen. Desshalb vertraue ich dieser Frau, die ich selbst gesehen habe und mit der ich auch in Kontakt bleibe.

Allein die vielen orthographischen Unzulänglichkeiten dieses Kommentars machen stutzig und man muss sich fragen, ob die liebe Anke vielleicht nur vorgibt, heute in Berlin gewesen zu sein. Die ip-Adresse jedenfalls deutet darauf hin, dass der Kommentar aus Frankreich geschrieben wurde (es ist eine statische IP-Adresse in der Domain “oleane.fr”). Da die MEK/HMI-Artikel immer mehr solcher offenbarer Fake-Kommentare bekamen, haben wir die Kommentarfunktion auf blogressiv.de so umstellen müssen, dass wir jeden Kommentar ansehen bevor er auf blogressiv.de erscheint. Das klingt wie Zensur und ist recht lästig – es geht aber zur Zeit nicht anders.

Jetzt wird es lustig: Offenbar von blogressiv.de und den Kommentaren hier genervt, greifen MEK bzw. sein Hilfswerk für Menschenrechte im Iran zu etwas härteren Mitteln. Ich fand es mehr oder weniger erheiternd, folgenden Artikel auf der HMI-Website zu finden:

Warnung: Das Teheraner Regime sabotiert humanitäre Aktivitäten, um freie Hand für mehr Hinrichtungen zu bekommen. HMI als Opfer

Über blogressiv.de ist darin zu finden:

Inzwischen hat das Teheraner Regime zu sehr aggressiven Methoden gegriffen, die humanitären Aktivitäten des HMI zu diffamieren. Hier fungieren die langen Arme von Ayatollahs. Seit etwa 6 Monaten trat die sog. “Blogressiv” in Aktion. Dieses besonders sehr merkwürdig in Erscheinung tretende Internet-Weblog mit dem Sitz in Schweden interessiert sich plötzlich sehr für innerdeutsche Angelegenheiten!! Eine Fülle von mysteriösen Fakten deuten auf das iranische Geheimdienstministerium (VEVAK) als Drahtzieher.

Innerhalb von wenigen Tagen erschienen Dutzende anonyme Kommentare auf „Blogressiv“, wobei die engagierten HMI-Spender aufgerufen wurden, nicht weiter diesen Verein zu unterstützen. Die Verfasser von Kommentaren gaben vor, in Deutschland zu sein, aber tippten mit nicht deutscher Tastatur. Auf einer der Kommentare wurde fälschlicher Weise angegeben, der Verfasser habe in Frankfurt/Oder eine Spendenaktion des Vereins begegnet, während HMI niemals in Frankfurt/Oder irgendeine Aktion durchgeführt hat. Von der Art der Aufsätze ist zu erkennen, dass der Verfasser in vielen Fällen dieselbe Person ist, aber die anonymen Kommentare wurden mit verschiedenen Vornamen wie „Christian“ erschienen (vielleicht alles Agenten-Namen). Mansche freiwillige Mitarbeiter des HMI haben öfters auf das sog. Weblog “Blogressiv” positive Kommentare oder Gegendarstellungen geschrieben. Diese blieben jedoch höchstens nur einen Tag auf das Tarn-Weblog und wurden dann gelöscht, sodass einheitlich nur negative Propaganda gegen HMI-Aktivitäten angeboten wurde. Diese Zensur wird permanent angewendet.

Aber die staatlich gesteuerte Desinformationskampagne aus Teheran lässt sich auch an andere Stellen zu erkennen. Mansche schon länger bekannte vom iranischen Geheimdienst gesteuerte Tarn-Webseiten auf Deutsch und Persisch haben von ähnlicher Methode, wie bei “Blogressiv”, Gebrauch gemacht, um die Vereine, die sich gegen Menschenrechtsverletzungen im Iran engagieren – wie HMI –, zu diffamieren.

Sehr fragwürdig ist, dass Bahman Niruman auch zeitgleich mit dem Beginn dieser Kampagne in “Blogressiv” einen Artikel mit ähnlichem Inhalt in TAZ vom 13. Dezember 2006 erschienen ließ.

Okay, verärgert zu sein über kritische Berichterstattung ist eine Sache, blogressiv.de, mich persönlich und die taz (!!!) in die Nähe des iranischen Regimes zu rücken eine ganz andere. Ich glaube, das nennt man Verleumdung. Man könnte Verfolgungswahn beim MEK vermuten. Dieser wäre auch zu einem gewissen Grad verständlich, da der iranische Staat tatsächlich versucht, seine Opposition auch im Ausland zu unterminieren. Die Herrschaften von HMI hätten sich doch bitte die Mühe machen sollen, sich das breite Spektrum an Artikeln auf blogressiv.de anzuschauen. Wieso sollten sich iranische Regierungsagenten etwa für DRM, Aktien-Spam, eon, Öttinger, die RAF, und Biolebensmittel interessieren?

Es ist ein wenig lächerlich und nervig, aber für die, die es noch nicht gelesen oder verstanden haben: Blogressiv wird von Thomas und mir (Christian) betrieben. Wir leben beide im Ausland (Thomas in Schweden, ich in den USA). Weil wir aus Deutschland stammen, interessieren wir uns für Geschehnisse in Deutschland. Weil wir nicht immer einen Computer mit deutscher Tastenbelegung zur Verfügung haben, kommt es vor, dass wir Umlaute durch die üblichen Kombinationen oe, ue, ae ersetzen. Wir haben keinerlei Verbindung zum Regime im Iran, noch beabsichtigen wir, es in irgendeiner Weise zu unterstützen. In einer freien Gesellschaft ist es erlaubt, auch vermeintlich “gute” Organisationen (wie eben etwa iranische Oppositionsgruppen) und ihre Vorgehensweisen zu kritisieren, selbst wenn man prinzipiell ihr Anliegen (einen bitte friedlichen Umsturz im Iran) unterstützt. Damit müssen auch MEK, HMI und MEI leben und lernen, zwischen freier Meinungsäußerung und einer staatlich gesteuerten Desinformationskampagne aus Teheran zu unterscheiden.