April 2007

Monatliches Archiv für April 2007.

Oetti

Liebe taz, liebe verboten-Kolumne,

vielen Dank, dass es Euch gibt… (Ausschnitt aus der Titelseite der taz vom 19.04.2007)

Ausschnitt aus der Titelseite der taz vom 19.4.2007

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Da ich ja zur Zeit in der pacific time zone lebe, bekomme ich solche Sachen immer erst beim Aufstehen mit. Mittlerweile ist es ja schon überall zu lesen:

Kollege Bundesinnenminister Schäuble hat’s mal wieder knallen lassen (im Stern, via tagesschau.de):

Die Unschuldsvermutung heißt im Kern, dass wir lieber zehn Schuldige nicht bestrafen, als einen Unschuldigen bestrafen. Der Grundsatz kann nicht für die Gefahrenabwehr gelten. Wäre es richtig zu sagen: Lieber lasse ich zehn Anschläge passieren, als dass ich jemanden, der vielleicht keinen Anschlag begehen will, daran zu hindern versuche. Nach meiner Auffassung wäre das falsch.

Kann der das ernst meinen? Wahrscheinlich. Goodbye Unschuldsvermutung und Rechtsstaat. Weiter sagte Schäuble noch

Ich kann an all den Plänen nichts Schlimmes erkennen.

Realitätsverlust. Das ganze wird dann wieder begründet mit

Alle Experten sagen, es sei nicht eine Frage des Ob, sondern nur noch eine Frage des Wann des nächsten Anschlags. In dieser Zeit leben wir.

Irrsinnige Pauschal-Globalüberwachung und die Aufhebung des Unschuldsverdachts werden daran nichts ändern. Es gibt Lücken in jedem System. Eine weitere Ausweitung der Überwachung wird langfristig keine Anschläge verhindern. Bei der ganzen Anti-Terror-Hysterie wird vergessen, dass die Terroristen in dem Augenblick schon gewonnen haben, in dem wir durch den Überwachungswahn unsere Freiheit und unseren Rechtsstaat verlieren.

(Empfehlung: c’t Linksammlung und Hintergrundartikel zur Anti-Terror-Gesetzgebung und Anti-Terror-Datei und Netzpolitik Linksammlung zum jüngsten Kabinettsbeschluß zur Vorratsdatenspeicherung. Auch witzig: Telepolis: Wird Schäuble vom Verfassungsschutz beobachtet?)

Eine Umfrage auf tagesschau.de zu den jüngsten Äusserungen des Bundesinnenministers hat folgendes Ergebnis erziehlt:

Tagesschau Umfrage

(Ein Schelm ist, wer da an Manipulation denkt… Link zur Umfrage: hier.)

Jeder weiß, dass Radiowerbung meistens einfach nur nervig ist. E.ON-edis, neben RWE, Vattenfall und EnBW einer der ganz grossen im Deutschen Energiemarkt, hat einen Werbeslogan, der nicht nur nervig, sondern zumindest massiv irreführend und ziemlich sicher falsch ist.

Heute Morgen beim Zähneputzen quäckt es aus dem Radio: “E.ON-edis – Energie für immer!”
Ein bisschen Recherche fördert das hier zu Tage: E.ON erklärt Kindern, dass Steckdosen nie
der Strom ausgehen wird.
Liebe E.ON Werbeabteilung, in welcher Welt lebt Ihr? Was soll dieser Aufruf zur Unbesorgheit? Es muss doch den Herren in der Vorstandsetage klar sein, dass man jegliche Art von bewusstem Umgang mit Energie (und die Erziehung dahin…) untergräbt, wenn man sagt: Macht Euch keine Sorgen, Energie wird immer da sein. Und das stimmt nicht einmal: jeder Ressource ist beschränkt, sogar die Sonneneinstrahlung ist endlich und man kann weder unendlich viele Windräder, noch Staudämme bauen. Kohle, Uran, Erdgas und Erdöl sind sowieso in maximal 100-200 Jahren aufgebraucht. Ob Kernfusion je technisch anwendbar werden wird, ist völlig unklar. Also, wo soll die unendliche Menge an Energie herkommen?

EON korrigiert