November 2006

Monatliches Archiv für November 2006.

MEI vs. HMI

Durch einen Kommentar bin ich auf das Hilfswerk für Menschenrechte im Iran(HMI) e.V. aufmerksam geworden. Der Verein mit Sitz in Dortmund hat interessanterweise eine in weiten Teilen übereinstimmende Satzung wie das in Düsseldorf ansässige Menschenrechtszentrum für ExiliranerInnen (MEI) e.V.. Beide Satzungen zitiere ich im Folgenden vollständig:

Hilfswerk für Menschenrechte im Iran(HMI) e.V.
VR 5852
Der Verein ist beim Amtsgericht Dortmund eingetragen.

Vereinszwecke

1. Der Verein fördert die materielle und moralische Unterstützung von iranischen Migrantinnen und Migranten, die ihr Herkunftsland wegen Verfolgung aus religiösen, ethnischen, politischen oder anderen Gründen verlassen haben und deren Bleiberecht in ihrem Zufluchtsland gefährdet ist bzw. denen die Abschiebung in ihr Herkunftsland-direkt oder über ein Drittland – droht.

2. Der Verein setzt sich für die Anerkennung des Asylstatus von iranischen politisch Verfolgten ein. Der Verein setzt sich ebenfalls im Sinne der Internationalen Konvention gegen die Folter dafür ein, dass die genannten Verfolgten nicht in den Iran abgeschoben werden.

3. Der Verein setzt sich dafür ein, dass die Öffentlichkeit über die andauernden Menschenrechtsverletzungen im Iran aufmerksam gemacht wird, u.a. durch Veranstaltungen und Förderung von Konferenzen, Seminaren, Kundgebungen und Ausstellungen. Es werden auch Fernsehprogramme, die u.a. via Satellit gesendet werden, und dieser humanitären Öffentlichkeitsarbeit dienen, unterstützt.

4. Der Verein leistet Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit über die Unterdrückung von Frauen im Iran, insbesondere über die legalisierte und soziale Diskriminierung der Frauen und die Verletzung der Frauenrechte. Weiter drängt der Verein auf eine Einstellung von willkürlichen Hinrichtungen, Steinigungen und menschenverachtenden Folterungen.

5. Der Verein arbeitet intensiv mit RechtsanwältInnen und RechtsberaterInnen zusammen, damit Migrantinnen und Migranten und im Exil lebende Iranerinnen und Iraner sowie die Flüchtlinge einen Rechtsbeistand zur Verteidigung ihrer Rechte erhalten.

6. Der Verein führt die Initiativen zur Verhinderung von Auslieferung und jegliche unfreiwillige Ausweisung von Betroffenen Personen, was eine Verletzung von internationalen Genfer Konventionen darstellen, durch. In diesem Sinne wird die Zusammenarbeit mit Asylexperten, Völkerrechtlern, Menschenrechts- und Flüchtlingsorganisationen bei den Aktivitäten des Vereins ihre Priorität finden

7. Der Verein fördert im Rahmen der deutschen Rechte die rechtliche Unterstützung von Asylberechtigten gegen die eingeleiteten Widerrufsverfahren, vor allem in Form von Erwerb von engagierten Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten für die Betroffenen.

8. Der Verein sammelt für die Verwirklichung seines Satzungszwecks Spenden.

und


Menschenrechtszentrum für ExiliranerInnen (MEI) e.V.
§ Name
1. Der Verein führt den Namen „Menschenrechtszentrum für ExiliranerInnen (MEI) e.V.“.

§ Zweck
1. Der Verein fördert die materielle und moralische Unterstützung von iranischen Migrantinnen und Migranten, die ihr Herkunftsland wegen Verfolgung aus religiösen, ethnischen, politischen oder anderen Gründen verlassen haben und deren Bleiberecht in ihrem Zufluchtsland gefährdet ist bzw. denen die Abschiebung in ihr Herkunftsland-direkt oder über ein Drittland-droht.

2. Der Verein setzt sich dafür ein, dass die Öffentlichkeit über die andauernden Menschenrechtsverletzungen im Iran aufmerksam wird, u.a. mit der Veranstaltungen und Förderung von Konferenzen, Seminaren, Kundgebungen und Ausstellungen.

3. Der Verein leistet Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit über die Unterdrückung von Frauen im Iran, insbesondere über die legalisierte und soziale Diskriminierung der Frauen und die Verletzung der Frauenrechte.

4. Der Verein arbeitet intensiv mit RechtsanwältInnen und RechtsberaterInnen zusammen, damit Migrantinnen und Migranten und im Exil lebende Iraner und Iranerinnen sowie die Flüchtlinge einen Rechtsbeistand zur Verteidigung ihrer Rechte erhalten.

5. Der Verein führt die Initiativen zur Verhinderung von Auslieferung und jegliche unfreiwillige Ausweisung von Betroffenen Personen, was eine Verletzung von internationalen Genfer Konventionen darstellen, durch.

6. Der Verein fördert im Rahmen der deutschen Rechte die rechtliche Unterstützung von Asylberechtigten gegen die eingeleiteten Widerrufsverfahren, vor allem in Form von Erwerb von engagierten Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten für die Betroffenen.

7. Der Verein sammelt für die Verwirklichung seines Satzungszwecks Spenden.

§ Mitgliedschaft
Voraussetzung für die Mitgliedschaft ist eine schriftliche Antragstellung bzw. eine mündliche persönliche Vorsprache beim Verein. Über die Aufnahme neuer Mitglieder entscheidet der Vorstand.

Mitglieder des Vereins können natürliche und juristische Personen und deren Zusammenschlüsse (Verbände, Organisationen usw.) sein. Es können auch fördernde Mitglieder beitreten. Diese haben kein Stimmrecht und kein aktives und passives Wahlrecht.

Ein Mitglied setzt sich für die Vereinsziele ein und nimmt an Vereinstagungen teil.

Na ob da nicht mal was faul ist?

Im September berichtete ich über meine Erfahrungen mit einem Spendensammler des MEI, Menschenrechtszentrum für ExiliranerInnen e.V. (MEI), und die daraufhin aufgenommene Internetrecherche. Die vielen Kommentare zu meinem Beitrag zeigen, dass der MEI und andere Vereine/Gruppierungen offenbar im groß angelegten Stil Spenden sammeln—für nach ihren Angaben humanitäre Projekte. Doch insbesondere der Verfassungsschutz hegt seine Zweifel über das lautere Vorgehen und die Aufrichtigkeit dieser Vereine, die allesamt im Zusammenhang mit den iranischen Volksmudschahedin (Modjahedin-e Khalq, MEK) im Verfassungsschutzbericht 2005 genannt werden und die auch in der Verfassungsschutzbroschüre zum MEK auftauchen.

Es gibt jetzt folgende Neuigkeiten:

  • Wikipedia Eintrag zu den MEK. Durch Zufall beim Durchsehen der Webstatistik von blogressiv.de entdeckt. Die deutsche Wikipedia hat einen Eintrag zum MEK in dem auch der MEI genannt wird und auf blogressiv.de verlinkt wird(!). Etwas verwirrend finde ich aber, dass blogressiv.de als “kritisches Blog zum MEI” verlinkt ist. Ich hoffe doch sehr, dass das MEI nicht das einzige Thema dieses Blogs ist…
  • In den Seiten der Berliner Senatsverwaltung für Inneres auf berlin.de findet sich folgender Eintrag vom 11.10.2006:

    Spendensammelaktion im Zusammenhang mit der MEK

    Im Berliner Stadtgebiet sind in den vergangenen Tagen verstärkt Flugblätter des Vereins “Menschenrechtszentrum für ExiliranerInnen e. V.” (MEI) zum Zwecke der Spendensammlung verteilt worden. Der Berliner Verfassungsschutz weist darauf hin, dass der Verein MEI dem “Nationalen Widerstandsrat Iran” (NWRI) zur Geldbeschaffung dient. Bei dem NWRI handelt es sich um den international operierenden politischen Arm der “Volksmojahedin Iran-Organistion” (MEK), deren erklärtes Ziel der Sturz der Islamischen Republik Iran ist. Der in dem Flugblatt erwähnte MEI hat seinen Sitz in Düsseldorf.

    Das Flugblatt informiert über Menschenrechtsverletzungen, Hinrichtungen und Demonstrationen im Iran. Hinweise über eine beabsichtige Verwendung der Spenden finden sich nicht.

    Es wird auch auf den Berliner Verfassungsschutzbericht 2005 hingewiesen, der weitere Information zum MEK enthält. Unter anderem steht da wörtlich


    [...]. Zur Finanzierung dieser Aktivitäten wurden in 2005 verstärkt Spendensammlungen durchgeführt. Hierzu bedient sich der Nationale Wiederstandsrat Iran (politscher Arm des MEK in Europa; Anmerkung des Autors) insbesondere des Tarnvereins “Menschenrechtszentrum für Exiliranerinnen” (MEI).


  • Basierend auf den Kommentaren, die gepostet wurden scheint der MEI oder das “Hilfswerk für Menschenrechte im Iran” (HMI) e. V in folgenden Städten aktiv zu sein: Berlin, Bonn, Münster, Bremen, Düsseldorf. Wo noch?

  • Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) kritisiert das MEI für seine aufdringliche Spenderwerbung.

Ich bedanke mich nochmals für die vielen Kommentare und Hinweise! Keep ‘em coming!

Ich sitze gerade in einem Lufthansa Airbus A340-600 und bin online - via Satellit und das ganz kostenlos. Normalerweise kostet das wohl USD 30, für einen ganzen Flug, was bei ca. 10h Flugzeit Frankfurt—Denver ja eigentlich kein schlechter Deal ist.

Ich bin also auf dem Weg nach Amerika. Nach Tucson, Arizona. Dort und von dort aus werde ich in den nächsten 3 Wochen arbeiten und blogressiv.de mit Berichten aus dem Wilden Westen wiederbeleben.

Gruß aus 12,000 Meter Höhe!

Christian

Update: Ich hab’s gestern nur bis Denver geschafft—heute geht’s erst weiter nach Tucson.