Muss ich jetzt anfangen, eine Liste zu führen, welche Kleidung man noch kaufen kann?
Monatliches Archiv für April 2006.
Auf tagesschau.de gelesen:
Bayerns Ministerpräsident Stoiber [plant] ein hochrangiges Treffen, auf dem “ein wachsendes Bedürfnis nach einer stärkeren Achtung religiöser Gefühle” diskutiert werden solle.
Soetwas zu lesen gehört zu den seltenen Gelegenheiten, in denen ich einen Anflug von Agressivität verspüre. Was bitteschön ist mit meinem wachsenden Bedürfnis, von Religionen nicht länger belästigt und eingeschränkt zu werden?
Die SZ hat ein langes Interview mit Wolf Singer, in dem er das Missverständnis aufklärt, dass eine reduktionistische und materielle Sichtweise des Gehirns (ohne “Geist”) zu einer mechanisch starren Welt führen würde.
[Unsere] Gehirne funktionieren nach deterministischen Naturgesetzen. Aber auch deterministische Systeme sind offen und kreativ, können Neues in die Welt bringen. Das kann Materie. Man muss der Materie ein bisschen mehr zutrauen.
(via)
Direktlink, via NPD-Blog
Meine völlige Zustimmung findet die Stellungnahme des IBKA zu Zensurforderungen der Serie Popetown. Ein Auszug:
Besonders besorgniserregend sind Bestrebungen, den Paragraph 166 des Strafgesetzbuches zu erweitern, um in künftigen Fällen ein noch effektiveres Zensurinstrument zur Hand zu haben. Schon jetzt unterliegt dieser Paragraph der verqueren Logik, ansonsten straffreie Äußerungen – also solche, bei denen die Strafbestimmungen zu Beleidigung, Verleumdung usw. nicht greifen – dann zu kriminalisieren, wenn Gläubige gegen diese gewaltsam agieren könnten. Eine derartige Sondervorschrift, welche nicht die Androhung von Gewalt, sondern die dadurch Bedrohten bestraft, belohnt das Faustrecht von Fanatikern, hat somit in einer offenen Gesellschaft keine Rechtfertigung und gehört daher nicht auch noch erweitert, sondern endlich abgeschafft.
Es erinnert wirklich an Kafka, wenn man liest, dass sich Geheimdienste und Polizei mit Arbeitgebern (in diesem Fall die Organisatoren der Fußball-WM) hinter dem Rücken von Arbeitsuchenden austauschen, die dann aufgrund von unbewiesenen Verdächtigungen vom Arbeitgeber abgelehnt werden können, ohne Recht und Möglichkeit, zu erfahren, worum es geht.
Da ich den Kommentar von Burkhard Hirsch, der in der letzten ZEIT (15/06 S.7) veröffentlicht wurde, nicht online finden kann, hier ein Auszug:
Es geht um etwa 250 000 Personen, vom Rasenpfleger bis zum Wurstverkäufer. Über alle diese Personen soll bei der Polizei für ein Jahr eine Sonderdatei angelegt werden. Sie sollen sich »freiwillig« der Überprüfung durch Polizei und Verfassungsschutz unterwerfen. Dabei handelt es sich nicht etwa um ein schlichtes polizeiliches Führungszeugnis. Es geht um eine Nachprüfung in der Wunderwelt aller Dateien der Polizeien und der Geheimdienste, um Speicherungen nicht nur tatsächlich begangener Taten, sondern auch um den polizeilichen Verdacht, der Betroffene könne in Zukunft eine Straftat begehen. Selbst ein Freispruch oder die gerichtliche Einstellung eines Verfahrens muss daran nichts ändern. So leichtgläubig wie Richter sind Polizei und Fifa natürlich nicht! In den Dateien des Verfassungsschutzes geht es nicht nur um möglicherweise strafbare Verhaltensweisen, sondern auch um die Annahme bedenklicher politischer Bestrebungen, gespeichert seit zehn und mehr Jahren, ohne dass der Betroffene davon etwas zu wissen braucht – Eintragungen also, gegen die er sich nicht wehren konnte. [...] Er hat kein Recht darauf, zu erfahren, was Polizei und Verfassungsschutz über ihn gespeichert haben. Denn für den gesamten Vorgang gibt es keine gesetzliche Grundlage. [...] Der Bundestag ist über all das informiert. Er hat sich mit der Frage befasst, ob man das Rauchen in den Stadien verbieten sollte. Über die Lage der Service-Mitarbeiter aber hat er bisher nichts entschieden.
Ein Skandal!
Aber schön zu sehen, dass die FDP sich doch noch um ihr Anliegen als Bürgerrechtspartei kümmert.

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