Astronomie populärwissenschaftlich darstellen

Schon vor längerem fiel mir der Artikel Unsere Milchstraße, eine Galaxie mit noch vielen Geheimnissen auf Telepolis (TP) als schlechtes Beispiel für populärwissenschaftliche Darstellungen auf. Ich möchte hier kurz erklären, warum.

Man hat also den Abstand zum nächsten Spiralarm in unserer Galaxie, der Milchstraße, gemessen und TP schreibt:

Das Ergebnis beträgt 1,95 ± 0,04 Kiloparsec (1 Parsec sind 3,26 Lichtjahre, also die Entfernung, die das Licht in 3,26 Jahren zurücklegen kann, dies entspricht etwa 31 Billionen Kilometer), alternativ können wir das Ergebnis auch so angeben: 5,86×1016 Kilometer.

Wie verwirrend für den Laien! Drei verschiedene Einheiten für die gleiche Strecke, wobei es dem Leser sogar überlassen wird, selbst umzurechnen. Ausserdem ist es unnötig, in einem solchen Text die Fehlergrenzen anzugeben, und die Schreibweise in Zehnerpotenzen ist (leider) auch nicht jedem geläufig. Schaut man in den Originalartikel von Science, so kann man erahnen, dass einfach eine Angabe dort übersetzt wurde und nachträglich die Klammer mit der Erklärung des Lichtjahres eingefügt wurde.

Die dazu verwendete Methode wird als “trigonometrische Parallaxe” bezeichnet. Dieses Ergebnis löst eine lang anhaltende Diskrepanz zwischen zwei unterschiedlichen Techniken zur Bestimmung von Abmessungen und Abständen. Während sich die Erde auf ihrer “Himmelsbahn” um die Sonne von der einen Seite des Orbits zu anderen Seite bewegt, verschieben sich nahe gelegene Sterne vor dem entfernten Hintergrund, ein Effekt, der Parallaxe genannt wird.

Der erste Satz hier vergibt nur einen Namen, ohne ihn zu erklären. Der zweite bezieht sich schon auf die Interpretation des Ergebnisses, die später kommt, und steht damit zwischen dem Begriff Parallaxe und dessen Erklärung im letzten Satz hier. Und die Erklärung selbst ist wiederum unzufriedenstellend und verwendet unnötige Verkomplizierungen wie “Himmelsbahn” oder “Orbit”.

Nachem also halbwegs erklärt wurde, wie man diesen Abstand gemessen hat, folgt:

Mit der Feststellung des genauen Abstandes können die Forscher nun aufzeigen, dass sich der Sternencluster W3OH in einer Art und Weise bewegt, der über die einfache Rotation der Milchstraße zu ihrem Zentrum hinausgeht und mit der “spiral density-wave theory” (= spiralenförmigen Dichtewellentheorie) übereinstimmt.

Ich weiss, es ist kleinlich, aber sprachliche Fehler tragen zum Unverständnis bei. Wie wäre es mit “Art und Weise, die über die einfache Rotation der Milchstraße um ihr Zentrum hinausgeht”? Bei der “spiralenförmigen Dichtewellentheorie” musste ich dann zum ersten Mal wirklich auflachen. Es ist nicht nur falsch übersetzt (die Dichtewelle ist spiralförmig, nicht die Theorie), sondern wird auch noch ohne Erläuterung in den Raum geworfen. Ein Satz darüber, dass die Spiralarme durch eine Dichtewelle in der Galaxienscheibe entstehen, hätte gereicht.

Es geht weiter mit einem erneuten Versuch, die Parallaxe zu erklären – unglaublich schlechte Struktur des Artikels. Zum Abschluss wird dann noch die Genauigkeit der Messung mit “0.01 mas” angegeben, ohne die Einheit zu definieren oder gar zu sagen, dass das etwa 3 Milliardstel Grad (Winkel, nicht Temperatur) entspricht. Es wird auch nicht erwähnt, dass dieser Winkel sich direkt in die am Anfang angegebende Entferung umrechnen lässt.

Wie man vielleicht gemerkt hat, fand ich den Artikel schrecklich und lieblos zusammengestückelt. Ich weiss, dass es sehr schwer ist, Forschungsergebnisse allgemeinverständlich wiederzugeben, aber in diesem Fall ist es wirklich gründlich danebengegangen und ich wage sogar zu behaupten, dass solche Artikel mehr schaden als nützen.

Um dem Einwand “Mach es doch besser!” zuvorzukommen, hier meine Version zum Thema: Mit Hilfe von über die ganze Erde verteilten Radioteleskopen hat man die Positionen von einer Gruppe von Sternen sehr genau bestimmt und über einen längeren Zeitraum beobachtet. Da sich die Erde um die Sonne bewegt, sieht man die Sterne nach einem halben Jahr aus einem anderen Winkel und sie verändern daher scheinbar ihre Position. Aus dieser Änderung kann man den Abstand zu diesen Sternen bestimmen. Durch die verbesserte Genauigkeit der Messung ist es möglich, die Dichtewellentheorie zu testen, welche besagt, dass die Spiralarme in Galaxien aus Dichteveränderungen entstehen, die sich wellenförmig durch die Galaxienscheibe fortpflanzen.

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