January 2006

Monatliches Archiv für January 2006.

Falsche Richtung

Soeben auf tagesschau.de gesehen:

Die Kältewelle in Russland hält an. Bei Temperaturen um mindestens minus 22 Grad erfroren wieder fünf Menschen.

Bin ich der einzige, der denkt, dass das höchstens anstatt mindestens heißen muss und sich auch noch wirklich daran stört?

Im August 2004 wurde ich durch einen Zeit-Artikel auf den Hospitality Club (kurz HC) aufmerksam und wurde auch gleich Mitglied. Die erklärte Ziel des HC ist es …


..., Menschen zusammenzubringen – Gastgeber und Gäste, Reisende und ‘’Einheimische’’. Mitglieder des Hospitality Clubs rund um die Welt helfen sich gegenseitig, wenn sie verreisen – sei es mit einem Dach für die Nacht oder einer Tour durch die Stadt. Mitglied zu werden ist kostenlos und jeder ist willkommen. Nach der Registrierung und Aufnahme kann man als Mitglied die Profile aller anderen Mitglieder im Internet ansehen.

Wenn ich mich recht erinnere, waren es etwa 20.000 Mitglieder, als ich dazukam. Gleich wird der Zähler die 100.000 überschreiten1, davon kommen alleine fast 20.000 aus Deutschland. Letzteres spiegelt wohl nicht nur die legendäre Reiselust der Deutschen wieder sondern ist sicher auch ein Überbleibsel der Tatsache, dass der HC dort seine Anfänge nahm. Die Verfünffachung der Mitgliederzahl lässt sich sicher zum Teil auf regelmäßiges Medienecho zurückführen, aber beruht wohl zum Großteil auf Mundpropaganda, die wiederum mit der Anzahl der Mitglieder wächst ⇒ exponentielles Wachstum.

Meine eigenen Erfahrungen mit dem HC sind durchweg positiv. Ich war erst einmal zu Gast: letztes Jahr in London, wo die Nachfrage verständlicherweise groß ist, und ich zusammen mit 5 (!) weiteren Gästen Bett und Sofa des supernetten Gastgebers teilte. Da wir bei uns in Uppsala recht viel Platz in der Wohnung und ein Gästebett haben, haben wir auch regelmäßig Gäste vom HC. An die 20 waren es bisher, wiederum überrepresentativ viele Deutsche, aber auch Leute aus dem restlichen Europa und aus Asien.

Natürlich ergibt sich keinerlei Verpflichtung aus der Mitgliedschaft im HC. Es ist immer in Ordnung, Anfragen zu verneinen oder sogar im eigenen Profil zu sagen ‘’Zur Zeit keine Gäste, bitte’’. Wenn man Leuten vom HC erzählt, erntet man trotzdem des öfteren skeptische Einwände, fremde Menschen bei sich wohnen zu lassen. Natürlich hat man nicht zu allen einen guten Draht und wenn man unsicher ist, kann man die Kommentare lesen, die andere schon über denjenigen geschrieben haben. Außerdem wird man vom HC ermuntert, sich gegenseitig auszuweisen und Passnummern auszutauschen. Man sieht auch im Profil der Personen, ob jemand anders schon die Identität überprüft hat und es gibt auch Regeln.

Generell traue ich aber meinen Gästen und gebe ihnen Wohnungsschlüssel, damit sie nicht darauf angewiesen sind, wann wir zu Hause sind. Oft sind es Leute auf längeren Rundreisen mit kleinem Budget, denen man gerne hilft. Nachdem man einige Gäste hatte, merkt man auch schnell, welchen Typ Gast man gerade hat. Da gibt es die, die sowenig Umstände wie möglich machen wollen und sogar ihr eigenes Essen mitbringen. Man sieht sie kaum, weil sie wirklich nur zum Übernachten da sind. So ist es öfter, wenn es mehr als ein Gast ist, und ich glaube auch gemerkt zu haben, dass Deutsche eher zu diesem Verhalten neigen. :-)

Dann gibt es wiederum geselligere Menschen, die auch das Angebot ‘’Mein Kühlschrank ist dein Kühlschrank’’ gerne nutzen, und mit denen man auch mehr Zeit verbringt. Beides erwartet natürlich wiederum keiner und manchmal hat man einfach weniger Zeit, sich um seine Gäste zu kümmern. In einigen Fällen versteht man sich aber auch so gut, dass man längeren Kontakt beibehält. Ausnahmeerscheinungen, wie dass man vom Gast bekocht wird oder sogar die Küche geputzt bekommt, sollte man aber nicht zur Erwartung werden lassen.

Herzlichen Glückwunsch, Hospitalityclub, zum anstehenden ‘’Jubiläum’’ und ein Dank an die vielen Freiwilligen, die die Webseite betreuen und Treffen organisieren. Ich hoffe, es bald einmal zu einem solchen zu schaffen, zumindest aber, bevor das Ziel von einer Million Mitgliedern erreicht wird.

So, lieber Leser, jetzt nichts wie hin und registrieren

1 z.Zt. 99912 Mitglieder

Mittlerweile hat es die neue schwedische Piratenpartei auch in die englischsprachige Netzwelt (siehe hier und hier) geschafft. Wie vorhin angekündigt hier nun die Übersetzung des Parteiprogramms .


Geistiges Eigentum a.k.a. per Gesetz gemachte Monopole

Jegliches geistige Eigentum wird abgeschafft: Urheberrecht, Patentrecht, Markenschutz, Musterschutz1. Das Urheberrecht wird ausserdem als erster Beschluss des Reichstags2 nach der Regierungsbildung abgeschafft (keine Untersuchungen, keine Verhandlungen).

Alle mit geistigem Eigentum verbundenen ökonomischen Umverteilungen (z.B. Abgaben auf Medien) werden abgeschafft.



Internationale Verträge

Es gibt einige internationale Abkommen, die sich mit Urheberrechten befassen. Die Berner Konvention3 wird aufgekündigt; wir erklären in der UNO, dass wir die WIPO3 nicht länger als Autorität anerkennen, und auf die die WTO3 pfeifen wir (die USA werden ausrasten1, aber darauf pfeifen wir auch). Eventuelle EU-Rahmen ignorieren wir auch (was Frankreich kann können wir auch. Finland handelte übrigens vorbildlich mit der ersten Runde der EUCD3).



Einschränkungen im Vertragsrecht, etc.

Verträge, die die Verbreitung von Informationen (abgesehen von Personendaten und Sicherheitsrelevantem) einschränken oder bestrafen, werden nichtig und dürfen außerdem überhaupt nicht in Konsumentprodukten vorkommen. Mit ‘’Information’’ ist alles gemeint, was in digitaler Form wiedergegeben werden kann. Es wird strafbar, mit technischen Mitteln Informationsverbreitung zu behindern (außer dem voher genannten).



Integrität und Privatleben

Das Postgeheimnis wird zum Kommunikationsgeheimnis erhoben; heutzutage ist es technikspezifisch (auf Post beschränkt). Kommunikationsträger (z.B. Netzbetreiber und Telekomverwalter) dürfen Kommnikationsdaten ausschließlich zum technischen Unterhalten der Kommunikation benutzen. Privatleben wird im Grundgesetz definiert und darf von Behörden weder verletzt noch überwacht werden. Personen besitzen die Daten, die sie betreffen, und haben das exklusive Recht, zu bestimmen, wie diese verwendet werden, einschließlich des Rechts, sich ohne Vorwarung oder Prozess zu umzuentscheiden.

Die Datenspeicherungsdirektive wird nicht angewandt.



Thomas Bodström

Thomas Bodström4 bekommt einen ganz eigenen Absatz im Parteiprogramm. Nachdem er sich als dermaßen gefährlich für die persönliche Integrität1 erwiesen hat, ist es ein Teil des Programms der Piratenpartei, dass er keinen neuen öffentlichen Auftrag mehr bekommt, außer Wurst vor dem Reichstagsgebäude zu verkaufen. Letzteres begründen wir damit, dass er da zumindest keinen Schaden anrichten kann.



Keine Verteilungspolitik

Wir nehmen aktiv keine Stellung in verteilungspolitischen Fragen, also allen Fragen, die die Verteilung von Resourcen betreffen. Diese können als Rechts-Links-Fragen aufgefasst werden. Wir sind weder grün, noch blau5; Wir segeln unterm Jolly Roger und keiner anderen Flagge.



Willst du etwas ändern?

Komm ins Forum! Wenn die Wahl näher rückt, werden wir eine Abstimmung darüber abhalten, welche Punkte uns am wichtigsten sind.

Nun ja, das ist ja zugegebenermaßen alles recht drastisch, unausgegoren und manchmal schlicht unlogisch. Trotzdem werde ich das ganze breit grinsend weiterverfolgen…

Fußnoten:

1 Übersetzung unklar.

2 Das schwedische Parlament heißt so.

3 Link von mir.

4 Der derzeitige schwedische Justizminister.

5 ‘’Blau’’ sind in Schweden die Konservativen, also in etwa ‘’schwarz’’ in Deutschland.

Schwedische Politik ist nicht sehr spannend, finde ich. Diese Meldung auf Netzpolitik.org und der Netzeitung kann aber nicht unkommentiert bleiben.

Es hat sich also eine nach eigener Aussage völlig ernsthafte Piratenpartei gegründet. Es geht um die Parlamentswahl dieses Jahr und die nötigen Unterschriften zur Anmeldung der Partei kamen schon in den ersten 24 Stunden zusammen. Die Forderungen im Parteiprogramm (auf schwedisch) beinhalten die Abschaffung jeglichen Urheber- und Patentrechts. Ich werde mir später die Zeit nehmen, das zu übersetzen.

Natürlich sind die Chancen einer neuen Patei mit radikalem Programm eher gering, über die 4% Hürde zu kommen und ins Parlament einzuziehen, aber einen neuen Anstoß zur Diskussion über Urheberrechte ist das mindeste, was man erhoffen kann. Ich bereue ja sehr selten, nach Schweden ausgewandert zu sein. Manchmal macht es mich sogar richtig froh. :-)