Soll man das Altern heilen?

Gelegentlich hört man davon, dass große Fortschritte in der Altersforschung gemacht werden. Eine grosse Debatte darüber habe ich bisher aber nicht bemerkt. Dieser Artikel (auf englisch) diskutiert verschiedene Argumente, die man gegen ein medizinisches Ausschalten des Alterns vorbringen könnte.

Zurecht widerlegt der Autor die gängigsten Einwände und stellt klar, worum es eigentlich geht, nämlich nicht darum, wie bisher das Leben zu verlängern, indem die mit dem Alter auftretenden Schwächen und Krankheiten bekämpft werden, sondern wirklich um “ewige Jugend”. Der alte Menschheitstraum also, der auch oft genug als Fluch dargestellt wird. Natürlich gäbe es weiterhin Tod durch Unfall und bisher unheilbare Krankheiten. Außerdem wäre keiner gezwungen, sein Leben zu verlängern und Selbstmord ist sowieso immer der letzte Ausweg.

Aber mal ehrlich: In Anbetracht wie sehr heute schon versucht wird, Gedanken an den Tod zu vermeiden, bin ich sicher, dass ein Großteil der Menschen nicht nein sagen würde zu dem Angebot, viel länger als bisher zu leben. Obwohl ich keineswegs die Zeitspanne beurteilen kann, wielange es noch dauert bis man sich diese Frage wirklich zu stellen hat, kann man doch über die eventuellen Konsequenzen spekulieren.

Die enormen gesellschaftlichen Konsequenzen, die ein massenhafter Zugang zu solcher Medizin hätte, lassen sich recht leicht ausmalen und reichen von Überbevölkerung bis zum Umstoßen jeglicher Rentensysteme. Allerdings wird nicht von heute auf morgen die Weltbevölkerung unsterblich werden, sondern es wird – wenn überhaupt – ein langsamer Prozess sein, bei dem natürlich die Reichen die ersten Nutznießer sein werden, so wie bei so vielen anderen medizinischen Errungenschaften auch. Das bedeutet aber auch, dass Zeit bleibt, die damit auftretenden Probleme zu lösen und ich stimme dem Autor zu in der Aussage, dass es offen ist, ob die gesellschaftlichen Veränderungen zum bösen oder zum guten gereichen.

Einen Einwand möchte ich aber dem sehr optimistischen Text entgegenhalten: Der Tod ist keine Krankheit, die es notwendigerweise zu heilen gilt, sondern ein evolutionäres Erfolgsrezept. Ohne den Tod wären wir nicht hier und es ist unbestreitbar, dass der Tod und der daraus sich ergebende Generationenwechsel grosse Vorteile mit sich bringen, wenn man die Anpassungsfähigkeit aller “höheren” Spezies betrachtet. Ich glaube man geht nicht einmal zu weit, wenn man behauptet, dass der Tod eine Voraussetzung für höheres Leben ist. Somit ist er eine der erfolgreichsten Erfindungen, die sich im Laufe der Evolution gebildet haben. Den Tod auszuschalten hieße, die evolutionären Faktoren der Spezies Mensch auszuschalten und dies kann man wohl nur gutheißen, wenn man den Menschen schon als “gut genug” erachtet. Andererseits ginge es nicht um ein wirkliches “Ausschalten” des Todes sondern vielmehr um einen Aufschub (s.o.) und damit nur um eine Verlangsamung des menschlichen Generationenwechsels. Warum also eigentlich nicht?

Heißt das, wenn ich nur erfolgreich und reich genug werde, kann ich 200 Jahre oder noch älter werden? Endlich ein Anreiz! ;-)

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