Die ZEIT brachte im März einen Artikel “Rettet das Radio” und beklagt darin den Untergang der Musikvielfalt und Qualität im deutschen Radio. Es werden auch die positiven Ausreißer aus dem Einheitsgedudel genannt, etwa Radio Eins oder der Zündfunk des BR.
Obwohl ich selbst nicht genug über die deutsche Radiolandschaft weiß, um ein Urteil fällen zu können, möchte ich die Alternativen erwähnen, die Internet-Radios bieten. Insbesondere gibt es Sender, die völlig auf Werbung verzichten und sich über freiwillige Spenden der Hörer finanzieren. Ein solcher Sender ist Radio Paradise (RP). In der Box rechts sieht man, was jetzt gerade gespielt wird und die gesamte Playlist ist auf der Webseite verfügbar, zusammen mit den Kommentaren und Bewertungen der Hörer. Der Moderator (ja, es gibt nur einen) sagt nur sehr selten einen Satz über die Musik und es wird kein aufwändig recherchiertes Musik-Programm mit Hintergrundinformation geboten. Dieser Teil ist stattdessen auf die Homepage und die dortigen Seiten zu den Liedern ausgelagert – so bleibt die gesamte Sendezeit der Musik vorbehalten.
Nun zum eigentlich wichtigen, der Musik. Zuallererst muss man sagen, dass die Auswahl an Liedern die im Laufe eines Tages gespielt wird, sehr gross ist und es sehr wenige Wiederholungen gibt. Ausserdem werden die zu Tode gespielten “Rock Classics”, die jeder kennt, ausgelassen und stattdessen genreübergreifend durchweg interessante Musik gespielt. Eine Auswahl aus den Liedern mit den den höchsten Hörer-Bewertungen: Jimi Hendrix – All Along The Watchtower, Beatles – A Day In The Life, Pink Floyd – Shine On You Crazy Diamond, Jefferson Airplane – Embryonic Journey. Das sind natürlich bekannte und zurecht hochbewertete Stücke und sie bekommen auch die Zeit, in voller Länge gespielt zu werden, auch wenn dies machmal über 15 Minuten beansprucht.
Das eingentlich interessante an RP ist allerdings die Virtuosität, mit der verschiedene Musikrichtungen unter einen Hut gebracht werden und RPs Selbstdarstellung als “eclectic” (engl. “aus verschiedenen Quellen schöpfend”) trifft es durchaus. Es wird auch neue Musik gespielt und obwohl der Sender aus Paradise, Kalifornien, kommt (daher der Name) ist er nicht USA-zentriert. Es läuft Björk, Kent (auf schwedisch, obwohl Kent auch englische Versionen ihrer Lieder haben) oder 2Raumwohnung, von deren Erfolg daheim in Deutschland ich bis dato nichts wusste. Blues und Jazz gehören ebenso zum Repertoir und auch hier werden neben Größen wie Miles Davis weniger bekannte Artisten gespielt. Man wird oft überrascht, wie etwa von dem Schweden Peps Persson mit “Min Trollmoj Funkar” und dies macht sicher einen der Hauptgründe aus, warum ich bisher nicht müde geworden bin, RP zu hören.
Ich konnte hier natürlich nur einen kleinen Überblick geben, und meine Empfehlung ist deshalb einfach: Hört rein! Den Stream gibt es in guter Qualität und vielen Formaten. Zum Abschluss hier noch die Interpreten, die liefen, während ich diese Zeilen tippte: John Lee Hooker, Jimmie Vaughan, Aqualung, Mike Scott, Fleetwood Mac, Old 97s, KT Tunstall.
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Pingback von Blogressiv · Internet-Radio in Gefahr am 6. Mar 2007 um 14:19

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